Im Takt der Natur

Geschrieben von Monika Hippe

 

Feldberger Seenlandschaft - eine Region voller seltener Natur- und Kulturschätze. Foto: Mionika Hippe

Foto: Monika Hippe

Die Feldberger und die Uckermärkischen Seen sind die stillen Schwestern der großen Müritz in Mecklenburg- Vorpommern und Brandenburg. Statt mit Yachten gleiten Urlauber mit Kanus und Flößen auf den Seen.

„Tom Sawyer“ und „Huckleberry Finn“ liegen angeseilt am Ufer. Ein leichter Wind schiebt ihnen ein paar Wellen unter den Rumpf. Die beiden Hausflöße mit den Lausbuben-Namen schunkeln und stupsen sich gegenseitig in die Planken. Irgendwo da draußen auf den Gewässern der Feldberger Seenlandschaft schippern auch „Becky“ und „Tante Polly“.
Der Begriff „Hausfloß“ ist eigentlich übertrieben, sie sehen eher aus wie sympathische Hundehütten. An Bord ist fast alles aus Holz: ein kleiner Tisch und zwei Stühle auf der ‚Veranda‘, zwei Schlafbänke drinnen. Durch große Fenster kann der Abenteuer-Flößer auch von innen sehen, wohin die Reise geht. Soviel Komfort hatte Tom nicht, als er den Mississippi hinuntertrieb. Es ist alles da, was man für einen zivilisierten Abenteuerurlaub braucht: Isomatten, Kartuschenkocher, Outdoorspülmittel und eine chemiefreie Trockentoilette. Die Übernachtungsflöße hat Christian Bermes kürzlich in sein Programm aufgenommen. Der frühere Sportlehrer aus Köln hat sich vor 10 Jahren während eines Urlaubs in die Landschaft am Rande der Mecklenburger Seen­platte verliebt. „Kein Krach, kein Dreck, keine Belästigungen, stattdessen herrliche Landschaft mit glasklaren Seen, das war für uns der Grund, nach Feldberg zu ziehen“ sagt Christian. Gemeinsam mit seiner Frau vermietet er seit 2004 Kajaks und Canadier und seit neuestem die schwimmenden Mark-Twain-Hütten.

Feldberg oder Feldberg?

Nahezu auf allen 70 Seen im Naturpark „Feldberger Seenlandschaft“- 100 Kilometer nördlich von Berlin -  sind Verbrennungsmotoren verboten. Deshalb ist es hier viel ruhiger als beispielsweise an den Yachthäfen der Müritz. Der Haussee ist der einzige auf dem auch Wasserski gefahren werden darf. Christian findet das Okay: „Ich habe auch einen grünen Daumen, aber ich ver­stehe, dass nicht alles Schutzgebiet sein kann. Die Einheimischen brauchen ja auch einen Raum zum Leben.“

Tourismus gibt es in Feldberg seit 1855. Als in den 30iger Jahren noch eine Bahnverbindung nach Berlin bestand, kamen viel mehr Urlauber als heute. Die meisten aus Gesundheitsgründen. Sie kurten in der Klinik, die jetzt so versteckt hinter den Bäumen liegt, dass man sie kaum sieht, obwohl sie das größte Gebäude der 2.200 Einwohner-Stadt ist. Heute kommen eher Familien und naturverbundene Kanutouristen, um Eisvögel, Biber und Adler zu beobachten und andere stille Abenteuer auf dem Wasser zu suchen.
Manche Urlauber kommen ganz ungewollt nach Feldberg. Vor ein paar Jahren hat sich eine holländische Busgruppe hierher verirrt, erzählt Christian. Das Navigationsgerät sollte sie eigentlich nach Feldberg im Schwarzwald bringen. Doch es gefiel Ihnen so gut, dass sie blieben. Damit die Verwechslungsrate nicht zunimmt, teilen sich die beiden Partnerstädte inzwischen die Homepage feldberg.de.

Die Perle in der Region ist der Schmale Luzin. Der 34 Meter tiefe eiszeitliche Rinnensee ist umgeben von dichten Buchenwäldern. „Idyllisch wie in Finnland“, sagen viele Urlauber, die schon mal an seinem Ufer saßen und zusahen, wie sich der Wald und der Sonnenuntergang im Wasser spiegeln. Es ist so klar, dass jeder Taucher davon begeistert ist. Hier tummeln sich Aale, Barsche, Hechte und Zander. Auch die Kleine Maräne und der extrem seltene Relikt­krebs sind hier anzutreffen. Das war nicht immer so. Früher litt die Wasserqualität unter dem Zufluss des nährstoffreicheren Haussees und den Abwässern einer Gaststätte – die inzwischen abgerissen wurde. Ende der 1990er Jahre wurde der See saniert, sodass er heute wieder zu einem der besten Gewässer Mecklenburgs gehört. In der Mitte des sechs Kilometer langen Sees verkehrt seit 1907 eine der letzten handbetriebenen Seilfähren Europas und bringt Gäste, die nicht zu Floß unterwegs sind, von Feldberg nach Hullerbusch.

Hullerbusch und die Heiligen Hallen

Hullerbusch liegt auf einer Landzunge, die die Form eines Zeigefingers hat, umspült von drei Seen. Fährt man ganz bis zum Ende, kommt man nach Carwitz, einem charmanten Dörflein mit Kopfsteinpflaster und rosenumrankten Backsteinhäusern, die aussehen, als stammten sie aus einer längst vergangenen Zeit. Zum Ort gehören ein Café, ein Fischrestaurant und das Hans Fallada Museum. Der Schriftsteller hat 12 Jahre seines Lebens hier verbracht.

Generell wird auf eine nachhaltige Entwicklung der Landnutzung und des Tourismus im Rahmen der FFH-Richtlinie (Flora-Fauna-Habitat) geachtet. Die Gewässer werden regelmäßig überprüft. Wo früher ein Schotterwerk Eiszeit-Findlinge zerkleinerte, steht heute ein Biomasseheizkraftwerk und der älteste Buchenwald Deutschlands - die „Heiligen Hallen“-  stehen schon seit 1938 unter Naturschutz.

Lesen Sie weiter in der Ausgabe Seenland 2011