Auf zum Märkischen Meer

Geschrieben von Jan Peterson

 

Kursziel Bad Saarow, nur wenige Boote begegnen uns auf der Fahrt entlang der Dahme zum größten See Brandenburgs, dem Scharmützelsee.

Zwischen Bundestag und Mühlendammschleuse herrscht Betrieb. Berlin steht unter Dampf – nicht nur auf dem Wasser. Auch im 20. Jahr nach der Wiedervereinigung ist ein Chartertörn durch die Hauptstadt ein besonderes Erlebnis: Großstadtdschungel, Schrebergärten und märkisches Umland sind Umfeld für eine abwechslungsreiche Woche Urlaub.

Was wäre ein passenderer Ort für den Urlaubsbeginn als der Start vom Berliner Südosten aus. Dreiviertel der Stadtfläche sind hier von Wasser, Wald und Parks bedeckt.
Ein idealer Startpunkt nicht nur für uns Urlauber, sondern auch beliebter Standort für zahlreiche Wassersportvereine. Trotz der hohen Dichte an Wassersportaktivitäten ist das Angebot an Charterflotten hier ebenso wie im restlichen Berliner Raum dünn gesät. An der Attraktivität dieses Reviers kann es nicht liegen. Für Bootsführerscheininhaber bietet sich in allen Himmelsrichtungen ein interessantes Revier mit vielfältigen Törnmöglichkeiten für jeden Geschmack.
Weit über 900 Brücken queren die Wasserläufe Berlins, mehr als in Venedig, zugegeben auf einer viel größeren Grundfläche. Aber dennoch sind die Brücken prägend für die Stadt. Obgleich die Hauptstadt in der öffentlichen Wahrnehmung noch nicht als Wasserstadt angekommen ist. Grund genug für uns, in regelmäßigen Abständen die Entwicklung auf den Wasserstraßen rund um und in Berlin zu testen und entsprechende Törnempfehlungen zu geben.

Yachthafen „Historisches Fährhaus“

Direkt am Alten Fährhaus befindet sich die Marina von Rainer Löber. „Zum Zaunkönig“ steht am schmiedeeisernen Tor des kleinen Hafens. Doch wer den kleinen Vogel des Jahres 2004 anzutreffen vermutet, der irrt. Neben dem Chartergeschäft betreibt der Ingenieur und Designer Löber sehr erfolgreich sein Geschäft mit metallenen Zäunen.
Der Yachthafen „Historisches Fährhaus“ beherbergt neben einer kleinen Steganlage einen Wohnmobilstellplatz, ausgezeichnet mit fünf ADAC-Sternen. Auf dem hinteren Abschnitt des Grundstücks befindet sich ein kleines Gästehaus mit zwei Ferienwohnungen. Die wasserzugewandte Seite wird mit einer kleinen Promenade abgeschlossen. Ein Pavillon mit Grillmöglichkeiten  und zahlreiche Gartenstühle lassen Urlaubsgefühle aufkommen.
Neuestes Projekt des umtriebigen Inhabers ist ein Hafenbistro direkt am öffentlichen Anleger des Fähre. Eine gute Lage, verbindet die Fähre doch die beiden Berliner Stadtteile Grünau und Alt Glienicke auf kürzestem Wege.
 „Herzlich Willkommen“, begrüßt uns ein gutgelaunter Chef.  Wir sind sichtlich überrascht vom mediterranen Ambiente des Fährhauses. Hier sei es absichtlicht „fast wie in Italien“, bestätigt uns Rainer Löber. Eine feine, wenn auch kleine Uferpromenade mit roten Terrakottafliesen und großen Kübeln für ausladenden Blumenschmuck. Dazu eine rot untergehende Sonne, deren Strahlen im Wasser versinken. Tatsächlich, fast meinen wir unseren Törn 1.000 km weiter südlich zu beginnen.

Unser Schiff

Rainer Löber führt durch den Yachthafen zur „Adriana II“, eine Pedro Skiron 35, unserer Yacht für die nächsten sieben Tage. Zwei baugleiche Schwesterschiffe namens Arabella und „Angelina“ liegen vertäut am Nachbarsteg. Das signalisiert uns, dass der Eigner mit der Schiffswahl durchaus zufrieden ist. Die Einweisung auf der „Adriana II“ erfolgt angenehm unkompliziert. Auch die Ausstattung überzeugt uns: Auf einer Länge von 10,60 Metern befinden sich vier Schlafplätze aufgeteilt in zwei Kabinen. Jede Kabine verfügt über eine eigene Nasszelle mit WC und Dusche. Ein Perkins-Motor treibt die Yacht mit 91 Pferdestärken voran. Der Steuerstand an Deck ist dank der Persenning vor Schlechtwetter geschützt, die bei Sonnenschein leicht zu lösen ist. Bugstrahlruder und Echolot gehören ebenso zur Ausstattung­.
Neben dem Wetter, auf das wir leider keinen Einfluss haben, ist die leibliche Versorgung der Crew für das Gelingen eines Törns ausschlaggebend. Ein großer Kühlschrank, die komplett eingerichtete Küche und ein vierflammiger Gasherd bieten dafür gute Voraussetzungen.
Obgleich die Sonne Anfang Juli noch um 19 Uhr hoch am Horizont steht, beschließen wir, den ersten Abend im Yachthafen zu verbringen. Im gut fünfhundert Meter entfernten Supermarkt decken wir uns mit Proviant für ein Borddinner und die kommenden Tage ein.

Am nächsten Morgen: Unterwegs in „Spree Athen“

Der Blick auf das Kanzleramt ist aus den Nachrichten bekannt. An Bord der eigenen Yacht ist die Fahrt durch das Zentrum Berlins ein ganz besonderes Erlebnis.Berlin auf dem Wasserwege zu erleben, ist unser Tagesziel, bevor wir unseren Kurs in der kommenden Woche Richtung Süden, nach Bad Saarow, richten. 
Das Spreeufer beginnt malerisch mit der Silhouette von Berlin-Köpenick, wird auf den folgenden zwölf Kilometern aber wesentlich bodenständiger. Die Adriana fährt sich vibrationsarm und mit guter Ruderlage. Am Berliner Osthafen grüßen an Backbord die „Molecule Man“, zwei 30 Meter hohe, durchlöcherte Stahlskulpturen des amerikanischen Künstlers Jonathan Borofsky. Sie stehen für das friedliche Zusammenkommen der drei Berliner Bezirke Treptow, Kreuzberg und Friedrichshain, die hier aneinandergrenzen. Auf die stählernen Riesen folgt das beliebte Badeschiff auf der Spree und die Veranstaltungshalle „Arena“ mit  dem festliegenden Partyschiff „Hoppetossee“. Auf der östlichen Flussseite passieren wir den Ausgehbezirk Friedrichshain, von dem wir außer den Filmstudios vom Musiksender MTV und der großen Veranstaltungshalle „O2 World“ kaum etwas vom Wasser wahrnehmen.

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