Brandenburger Wasserentdeckungen

Geschrieben von Doreen Dreger

 

Der alte Havellauf durch Oranienburg ist eine  Sackgasse, führt jedoch direkt am Schloss vorbei zum Hafen.

Ein Bootstörn von preußischen Schlössern bis zum Finowkanal. Ein besonderes Erlebnis vom Wasser aus – an Bord einer Charteryacht.

Potsdam ist eine Stadt am Wasser. Grün bestimmt das Panorama, die Havelseen geben Sichtachsen auf Parks und preußische Schlösser frei und eröffnen ein Idyll als meisterhafte Komposition von Kultur, Natur und Historie.

In der Marina am Tiefen See heißt uns Frank Böning an einem sonnigen Nachmittag Ende August herzlich willkommen. Kaum ein Lüftchen regt sich über dem Wasser. Im Schatten der Sonnenschirme des Hafenbistros haben es sich eine Familie mit zwei Jungs und ein älteres Paar bei riesigen Eisbechern bequem eingerichtet. Unter ihren interessierten Blicken beladen wir unser schwimmendes Heim der kommenden Tage: die „Lea-Sophia“, eine Succes 125 Ultra New Line. Mit seiner Firma „FB Yachtcharter“ hat sich Frank Böning auf die Vermietung holländischer Stahlyachten aus der Werft Succes spezialisiert. Unsere weist 13,20 Meter Länge und 4,05 Meter Breite auf – das Flaggschiff seiner Flotte. In drei Kabinen finden bis zu sechs Passagiere geräumig Platz – man nimmt doch immer viel zu viel mit – und doch ist alles schnell verstaut.

Die ausführliche Einweisung und Unterweisung nebst Probefahrt in Schiff und Revier gibt uns Sicherheit und Vertrauen. Auch wenn in großen Teilen des Wasserreviers zwischen Müritz, Berlin und der Stadt Brandenburg/Havel Bootsferien ohne Führerschein an Bord eines Charterschiffs möglich sind, auf bestimmten Strecken muss doch ein geprüfter Schiffsführer vorhanden sein. Einen solchen Törn haben wir uns ausgesucht.
Den ersten Abend verbringen wir im Erlebnisquartier Schiffbauergasse, das wir vom Schiff zu Fuß leicht erreichen. Wo einst vom kleinen Ruderboot bis zum großen Hochseedampfer einiges schwimmende Gerät zum Leben erweckt wurde, hat sich heute eine abwechslungsreiche Landschaft aus Kultur, Kunst und Kulinarik angesiedelt. Bei wunderbarem Wein und rhythmischen Tangoklängen klingt der Abend bei Wirt Clemens Lambrecht an Bord des Schiffrestaurant „John Barnett“ enthusiastisch aus.

Die Reise beginnt

Der nächste Tag führt uns stromabwärts. Bald grüßt Potsdam nur noch von ferne und wir sind eingetaucht in das abwechslungsreiche Spiel des Havellands: Werder – bekannt für seinen Obstanbau und das alljährlich im Mai stattfindende Baumblütenfest – lassen wir backbords liegen. Ufer weiten und verengen sich, die Havel mäandert durch Fließe und Seen und bieten uns Bootsurlaubern ein kurzweiliges Panorama.

Schleusenfrei erreichen wir am Abend Brandenburg an der Havel. Noch vor der großen Vorstadtschleuse legen wir im neuen Hafen „Havel Marin“ rechter Hand an. Erstaunlich viel Leben brandet uns entgegen und schnell spricht sich herum, dass heute ein großes Hafenfest veranstaltet wird. Wir stürzen uns mit ins Getümmel. Für Speis und Trank ist üppig gesorgt und als krönenden Höhepunkt erleben wir um elf Uhr ein leuchtendes Höhenfeuerwerk.
 Trotz erlebnisreicher Nacht ist die Crew am kommenden Morgen früh auf. Ein ganzes Stück Weg liegt vor uns, denn wir machen kehrt und fahren den gestrigen Weg in entgegengesetzter Richtung die Havel bergauf. Viele meinen, es sei langweilig, die gleiche Strecke zwei Mal zu befahren. Doch unsere Erfahrung sagt das Gegenteil. Eine neue Richtung macht einen komplett neuen Weg, und es gibt so viel unentdecktes am Ufer zu sehen, dass für Abwechslung allzeit gesorgt ist. Die Potsdamer Havel liegt hinter uns und der Bug der „Lea-Sophia“ schneidet sich elegant durchs Wasser: Wannsee voraus. Am fernen, rechten Ufer ist das berühmte Strandbad – die Badewanne der Berliner – zu entdecken. Pfaueninsel und Grunewaldturm lassen wir steuerbords liegen und passieren das Spandauer Gemünd. Die Stadt beginnt den Wasserlauf einzuschließen.

Vor der Spandauer Schleuse ist Schluss mit der Fahrt. Die Sportbootwartestelle am rechten Ufer zeigt ein rotes Signal. Generell haben Berufs- und Frachtschiffe Vorrang. Hier an der Spandauer Schleuse, am Fuße der ehrwürdigen Mauern der Zitadelle – eine der bedeutendsten und besterhaltenen Renaissance-Festungen Europas der einstigen Garnisonsstadt Spandau, die in ihren ältesten Bestandteilen auf Bauwerken aus dem 13. Jahrhundert fußt – kann das Geschick der Schubverbandskapitäne besonders schön beobachtet werden. Die Schleuse liegt in einer Flussbiegung. Geschickt manövrieren die Binnenschiffer ihre bis zu 115 Meter langen Gefährte aus der Kurve direkt in die Schleusenkammer. Sie versorgen Berlin mit Kohle und Baustoffen und bringen Schutt und Altmetall hinaus.

Nach den Berufsschiffen sind wir an der Reihe. Die Schleuse ist die erste auf unserer Tour und eignet sich hervorragend für eine Generalprobe: das Becken ist lang und breit, Crew­mitglieder besetzen alle Positionen an Leinen und Fendern und so wird mit aller Ruhe das Manöver mit Bravour gemeistert. Kurz hinter der Schleuse rechts ist das heutige Etappenziel erreicht. Der Hafen der Wasserfreunde Spandau heißt uns im Schatten der Zitadelle willkommen. In der langsam aufziehenden Dämmerung unternehmen wir einen entspannten Spaziergang über das Festungsareal und kehren später in die Zitadellen Schänke zu mittelalterlichem Speis und Trank ein.
Der nächste Tag bringt auch schon den nächsten Festungsbau – das Schloss Oranienburg ist unser Ziel. Doch wir lassen es ruhig angehen. Bei 35 Grad im Schatten ist Badezeit angesagt. Im Tegeler See suchen wir uns einen ruhigen Ankerplatz und lassen die Zeit dahintreiben. Da bewährt es sich, das unsere Komfortyacht mit einem richtigen Gefrierfach ausgestattet ist. Der Transport einer ordentlichen Portion Eis ist so kein Problem.

Lesen Sie weiter in der Ausgabe Seenland 2011

Tourenplanung

Hier finden Sie den Törn in der praktischen Törnplanung. Nach belieben können Sie die Route modifizieren, ausdrucken oder auf ihr mobiles Endgerät laden. Tourenplanung: Brandenburger Wasserentdeckungen

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