Mit dem Ferienboot in die Hauptstadt

Geschrieben von Jan Peterson

Mit dem Hausboot in die Hauptstadt nach Berlin: Fahrt auf der Spree am Reichstag vorbei.

Ein Törn von Fürstenberg an der Havel nach Berlin. »Berlin per Hausboot, das wäre doch mal was.« Als wir im Herbst zusammen mit Freunden unseren Sommerurlaub planten, kam dieser Gedanke auf und verfestigte sich zunehmend. Mit einem Boot in die deutsche Hauptstadt zu fahren, erschien uns spannend.

Wir wollten Erholung in unberührter Natur, da passte das pulsierende Berlin erst mal nicht recht ins Bild, und doch ließ mich die Idee nicht mehr los. Material wurde gesammelt, Magazine und Reiseberichte studiert und im Internet recherchiert. Schließlich überzeugte ich meine Mannschaft zu unserem Hauptstadtabenteuer und im Juli 2005 ging der Törn von Fürstenberg nach Berlin los.

Tag 1: Unser Schiff

Am 1. Juli erreichten wir gegen Nachmittag die Basis der Firma Cardinal Boating am Röblinsee in Fürstenberg. Die neu gegründete Charterfirma betreibt dort auf einem idyllischen Gründstück seit Frühjahr ihre Charterbasis. Freundlich werden wir von Cardinal-Mitarbeiterin Conny Riotte begrüßt, die uns auf einen Kaffee zur Verschnaufpause einlädt. Noch bevor wir ausgetrunken haben, treffen unsere Freunde aus Hannover in der Basis ein. Nun sind wir vollständig: vier Erwachsene, zwei Kinder.

Während die Kinder schon auf dem Boot umhertollen, helfen uns die Mitarbeiter der Basis beim Einrichten auf dem Boot. Vom Bootstyp der Europa 600 sind wir begeistert. Auf 12,90 m Länge und 3,80 m Breite sind drei komfortable Kabinen untergebracht. Jede verfügt über ein eigenes Bad und ausreichend Stauraum. Wir Erwachsenen beziehen die beiden Heckkabinen, die Kinder werden im Vorschiff untergebracht. Die helle und komfortable Küche hat einen großen Kühlschrank, Vier-Flammen-Gasherd und Ofen. Die Küche fügt sich harmonisch in den großzügen Wohnbereich ein. Für Regentage sind ein Flachbildschirm mit DVD-Player und Satellitenfernsehen an Bord. Obwohl wir nicht planen, den Fernseher zu nutzen, sind wir doch dankbar für die Einweisungs-DVD, die uns schon vor der Reise zugesandt wurde. Detailliert werden dort die wichtigsten Elemente des Bootsfahrens erklärt. Dies gibt uns die Sicherheit und das gute Gefühl, auch nach der hervorragenden Charterscheineinweisung durch Bernd Wedow einen interaktiven Notizzettel dabei zu haben. 

Für die erste Nacht bleiben wir noch im Hafen, gehen am Abend auf ein Bier die Kneipe am Markt von Fürstenberg mit Namen »Holzwurm« und schwelgen auf dem Rückweg in Abenteuern, die unsere Reise mit sich bringen wird.

 

Tag 2: Willkommen im Urlaub

Am Sonntagmorgen geht es früh los. Seichte Wellen schaukeln uns aus den Federn. Die ersten Bootsfahrer sind schon auf den Beinen und nutzen die frühen Sonnenstrahlen für einen Ausflug. Nichts wie los, denke ich beim Anblick des schönen Wetters. Die müde Mannschaft wird aus den Kojen geklingelt, frischer Kaffeduft tut sein übriges. Berlin ruft!

Wir passieren die Schleuse Fürstenberg und nehmen Fahrt auf in Richtung Stolpsee. Kaum befinden wir uns auf demselben, kommt Wind auf. Die Kaffetassen an Deck schwanken bedrohlich. Alles hört auf mein Kommando: Fleißige Hände verstauen das Geschirr unter Deck, die Kinder begrüßen jede Welle mit großem Gejuchze. Der Stolpsee erscheint uns wie ein kleines Meer, mit dem Unterschied, dass der See nach drei Kilometern schon in der ruhigen Havel endet. Von nun an schlängelt sich die Havel in ihrem ursprünglichen Flussbett vorbei an Erlen und Buchen. Erst an der Schleuse Bredereiche mit ihrem imposanten Hubtor müssen wir stoppen. 

Weiter geht die Fahrt auf der Havel zur Schleuse Regow. Gleich am Schleusengelände befindet sich die Ziegenkäserei Regow, deren Besuch besonders unsere Kinder erfreut. Im dortigen Hofladen können frische Käseprodukte erworben werden (siehe auch Artikel auf Seite 69). Die Havel schlängelt sich weiter durch unberührte Landschaften. Die Zeit vergeht wie im Fluge. An der Schleuse Zaaren begrüßen uns zwei rote Lichter: Für heute keine Schleusungen mehr. Wir machen an der Wartestelle fest und genießen bei einer Flasche Rotwein die Stille an Deck.

Lesen Sie weiter in der Ausgabe Seenland 2006