Kulinarische Müritzrunde

Geschrieben von Doreen Dreger

 

Reetgedeckte Bootshäuser markieren die Hafenzufahrt  von Röbel an der Müritz.

Eine Schlemmer-Fisch-Tour auf den Oberseen. Bootsferien auf der Müritz - Stille genießen und Landschaft bewundern, Zeit für uns finden und Abwechslung erleben.

„Schön, dass ihr schon da seit“, ruft uns freundlich winkend Manfred Römer entgegen. Er sitzt in der Nachmittagssonne auf der Terrasse seines schwimmenden Charterbüros im Yachthafen von Buchholz. „Ich hab euch schon erwartet – kommt mit, wir gehen gleich an Bord!“
„El Hiero“ heißt unser Schiff. Eine Aquanaut Privilege 1250AK in klassischem Dunkelblau, stolze 12,65 Meter lang und 4,10 Meter breit – ein echtes Schmuckstück. Die geschwungene Treppe am Heck macht das Einsteigen und Beladen über die Badeplattform sehr unkompliziert. Das Gepäck für die Achterkabine reichen wir einfach durch die Heckluken hinein, und im Handumdrehen sind wir startklar. Alle Utensi­lien sind verstaut, das Proviant gebunkert, und wir fühlen uns schon jetzt rundum wohl an Bord.
Manfred Römer zeigt uns alle Details und macht die Crew mit der Schiffseinrichtung vertraut. Besonders gut gefallen mir die hochwertigen Holzarbeiten. Sie verleihen dem Interieur einen gediegenen Charakter und ein wohnliches Ambiente. Zwei separate Sitzgruppen – eine auf der Höhe der Küche, die andere im Salon – lassen Abende in gemütlicher Runde erwarten. Die untere Sitzgruppe kann durch Absenken des Tischs zu einem zusätzlichen Schlafplatz umgebaut werden. Unsere Crew besteht mit meiner Tochter und ihrem Freund jedoch nur aus vier Personen – Baumaßnahmen sind somit nicht erforderlich. In der Küche vermissen wir nichts – vom Vier-Flammen-Gasherd über Geschirr, Töpfe und Besteck bis hin zu Toaster und Kaffeemaschine ist alles an Bord.
Schon bald heißt es „Leinen los“ für eine Probefahrt. Da ich in meiner Jugend einmal den Sportbootführerschein Binnen absolviert habe, werde ich auf diesem Törn den Skipper geben. Fehlende Routine wird durch gründliche Einweisung kompensiert, und zum Schluss gibt uns Manfred Römer noch mit auf den Weg: „Seemann, mach langsam – es ist eilig!“

Welssoljanka und blaue Grütze

Doch heute geht es noch nicht auf große Fahrt. Wir legen nach einigen Übungsmanövern – Wenden auf engstem Raum, Aufstoppen und Kurs setzen – im Yachthafen von Buchholz wieder an. Ein Besuch im Gasthof „Zum Storchennest“ wurde uns empfohlen. Die Gaststätte an der Dorfstraße ist nur wenige Schritte vom Anleger entfernt. Freundlich empfängt uns hier eine junge Dame im gemütlichen Gastraum und offeriert uns als Spe­zialität des Tages eine wohlschmeckende Welssoljanka und zum Nachtisch frische blaue Grütze mit Vanillesauce. Beides mundet bestens, und wir schauen uns gut gesättigt im Lokal um.

Wellenritt über die Müritz

Das Traumschiff ist eine Aquanaut Privilege 1250 Ak und bietet Platz für bis zu acht Personen.Früh am Morgen legen wir ab. Bis nach Röbel soll der erste Schlag gehen. Ruhig liegt das Wasser des Müritzsees vor uns, und die „El Hiero“ bahnt sich sanft ihren Weg. Bei neun Stundenkilometern läuft der 135 PS starke Perkins-Diesel angenehm ruhig. Schon bald haben wir die kleine Straßenbrücke zwischen Vipperow mit Rechlin unterquert. Jetzt wird das Wasser schon etwas kabbeliger, die Müritz kündigt sich an.
Doch hier heißt sie noch „Kleine Müritz“. Auch wenn die Ufer sich von hier an kontinuierlich weiten, halten wir uns doch strikt an die Betonnung. Die grünen Bojen sind unsere Leitlinie, denn so manche Untiefe birgt unliebsame Überraschungen unter der Wasseroberfläche.
Als wir diese anspruchsvolle Passage problemfrei durchfahren haben, ist sie da: die Müritz. Der Wind frischt auf, die Welle nimmt zu, eine richtige Seefahrt steht uns bevor. Doch die Persenning hält erfreulich dicht. Mit Reißverschlüssen und Druckknöpfen lässt sich das Verdeck leicht schließen, und schon merken wir nichts Unangenehmes mehr vom Wetter. Auch bei seitlichen Winden liegt die Aquanaut ruhig und kurssicher im Wasser. Hin und wieder bricht sich gar eine Welle an unserem Bug, und ein feiner Regen aus Gischt geht auf Vorschiff und Persenning nieder – Seemannsfeeling kommt auf.
Nach knapp drei Stunden Fahrt heißt es Kurswechsel zum Einlaufen in die Röbeler Bucht. Wind und Welle flauen unter Land schnell ab, und wir gleiten wieder durch ruhiges Wasser. Das Wasser-Service-Center „Röbel“ macht als erste Anlegemöglichkeit einen guten Eindruck auf uns. Es ist früher Nachmittag, und noch stehen genügend freie Liegeplätze zu unserer Verfügung. So ist mit tatkräftiger Unterstützung des Hafenmeisters die „El Hiero“ schnell sicher vertäut.

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