Auf Schlösser-Tour mit dem Hausboot

Geschrieben von Jan Peterson
 Schlössertour von Fürstenberg nach Rheinsberg

Mit dem Hausboot unterwegs in der Mecklenburgischen Kleinseenplatte. Zwischen Schlössern, Ruinen und Gutshäusern auf den Spuren alter Residenzstädte.

Drei befreundete Ehepaare sind auf dem Ferienboot Europa 600 unterwegs zwischen Fürstenberg/Havel, Neustrelitz und Rheinsberg.
Gerd ist als erster morgens wach. Mit Gerumpel entsteigt er der Kabine. Kathi hat er schlafen lassen – erstaunlich, dass die das kann – ich zumindest bin sofort hellwach von dem Getöse. Dass Männer nicht leise aufstehen können! 

Es ist Mitte Mai und wir sind zu sechst an Bord einer Europa 600 von Cardinal Boating Holidays in der Mecklenburgischen Seenplatte. Seit zwei Tagen bereits durchkreuzen wir Seen und Kanäle zwischen Feldern und Wäldern. Beobachten Biber beim Bäume fällen und Eisvögel bei der Ansitzjagd. Es ist idyllisch und urtümlich, naturbelassen und mancherorts widerum überraschend urban und vor allem ist es die pure Erholung! Ein Jahr voller Arbeit ging Tag um Tag vorüber. Jetzt heißt es endlich: Urlaub.
Seit den Studientagen haben wir sechs uns eigentlich nie so richtig aus den Augen verloren und vergangenes Jahr brachte dann Johannes den Vorschlag ein, man könne gemeinsam Boot fahren. Wir drei Mädels reagierten sehr zurückhaltend, doch die Jungs waren hellauf begeistert – und die Sache war schnell beschlossen. So schipperten wir auf dem Canal du Midi durch die Camargue und genossen die gemeinsame Zeit. Am Ende waren wir damals alle überzeugt: Bootsurlaub ist genau unser Ding. 
Aber warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Also soll es in diesem Jahr die heimische Seenplatte sein.

Am Freitag Nachmittag übernehmen wir unsere Europa 600, benannt nach dem Sternenbild „Puppis“, in der Charterbasis von Cardinal bei Fürstenberg/Havel am Röblinsee. Es ist wirklich ein wunderbares Schiff: jedem Pärchen steht eine separate Kabine mit eigenem Bad zur Verfügung. Im geräumigen Salon passen wir alle rund um den Esstisch und können das in der komplett ausgestatteten Küche bereitete Mahl in geselliger Runde verzehren. Oder wir verlagernunseren Klön nach oben auf das Sonnendeck. Vor Anker liegend, dümpelt die Europa sanft auf den Wellen, während wir von oben den Blick schweifen lassen und uns in dieser traumhaften Natur heimisch fühlen.

Ich als Kapitän und du als Matrose

Wir folgen über den Schwedt- und Stolpsee den Mäandern der Havel. Lauschen dem Meckern der Ziegen an der Schleuse Regow und genießen als Ausgleich nicht nur ihren köstlichen Käse – Kathi versucht es sogar mit Ziegenmilcheis. In der Schleuse Kannenburg betätigen sich Holger und Johannes als Meister an der Kurbel – das kennen sie schon aus Frank­reich. In Templin nächtigen wir und umwandern morgens die mittelalterliche Stadtmauer.
Von Templin aus heißt es Kurs auf Lychen nehmen. Ein Rhythmus stellt sich ein, Ferienstimmung macht sich breit und Routine kommt in die Crew: Fender ausbringen und Tee kochen, Klampen belegen und Fotos für Mutti machen. Ich als Kapitän und du als Leichtmatrose …
Wer nach Lychen will, kommt an Himmelpfort nicht vorbei – oder aber eben doch, aber nicht ohne sich dabei mit frischem Räucherfisch einzudecken und ein leckeres Fischbrötchen mit auf den Weg zu nehmen. Im Lychener Flößereimuseum erfahren wir viel über die Geschichte des pittoresk zwischen sieben Seen gelegenen Ortes.

„Girls Day“ auf dem Vordeck

Und jetzt ist Montag Morgen, wir liegen in der Marina Lychen sicher vertäut, und Gerd poltert über das Teakholzdeck. Später wird er fragen, was ich denn hätte, er wäre doch nach oben geschlichen – von wegen, der Mann ist einfach ein Grobmotoriker! 

Nach und nach krabbeln alle aus ihren Kojen – und siehe da, das morgendliche Getöse war nicht umsonst: Gerd hat für uns alle Frühstück bereitet, er ist eben doch ein Schatz!
Schon die Morgensonne wärmt angenehm und so legen wir gegen elf Uhr ab. Da das mit Gerds Frühstück schon so gut klappte, haben wir Mädels kurzer Hand beschlossen, heute ist „Girls Day“. Und bei so viel Sonne heißt das zunächst einmal: Raus aus den Klamotten, rein in die Bikinis und ab zum Sonnen aufs Vorschiff. Die Männer sind jetzt am Zuge und der Service klappt tatsächlich ganz gut: eisgekühlte Getränke, die Beach Boys im Radio und Sonnenöl auf den Schultern nach Bedarf. So lässt es sich aushalten. Auch zum Schleusen, An- und Ablegen stehen wir drei heute nicht mehr auf.
Umso verwunderlicher, dass die Schleusen Himmelpfort, Fürstenberg und Steinhavelmühle ohne Schaden an Mensch und Material durchfahren werden. Wer hätte das gedacht, die Männer haben das Schiff auch ohne uns im Griff.
Kurze Zeit später, die Uhr schlägt inzwischen halb vier, halten wir uns bei Priepert rechts und folgen so dem weiteren Verlauf der Havel stromaufwärts. Je weiter wir gen Norden vorstoßen, desto ruhiger wird das Treiben auf dem Wasser. Wir nähern uns dem Müritz-Nationalpark – einem der größten Schutzreservate für Tiere und Pflanzen in Deutschland.
 
Lesen Sie weiter in der Ausgabe Seenland 2009

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