Seemobil: Edle Aussicht – stille Größe

Geschrieben von Jan Peterson

Das Seemobil ist ein geräumiges Hausboot

Das Seemobil. Entspannte Auszeit auf den Kanälen und Seen in der Seenplatte nördlich Berlins. An Bord einer schwimmenden Designerwohnung.

Wie ein Wohnzimmer auf Kufen gleiten wir dahin. Das Pa­norama ist einmalig. Und diese Stille. Anfangs irritiert sie, doch schnell finden wir uns mit dem ungewohnt langsamen Rhythmus zurecht. Eine Woche mit dem Seemobil im Seengebiet zwischen Zehdenick-Mildenberg und Templin steht uns bevor. 

„Herzlich willkommen im Idyll“, empfängt uns Sönke Baumgärtner in seinem schwimmenden Appartement im Loftstil. Wir befinden uns im kleinen Hafen des Ziegeleipark Mildenberg, sechzig Kilometer nördlich von Berlin, wo der „Seemobil“ ge­taufte Katamaran fest vertäut am Steg liegt.

Die Begegnung mit dem Seemobil

Baumgärtner nimmt sich Zeit für seine Gäste und seinen Traum vom Seemobil. Mit einem befreundeten Architekten entwarf der Projektentwickler vor drei Jahren das Konzept vom Seemobil. Urbanes Leben in der Natur, so könnte man den Entwurf von Baumgärtner nennen. Eine helle, honigfarbene Holzverkleidung umhüllt die Schlaf- und Sanitärräume des Schiffes. Durchsetzt wird die Verkleidung von Bullaugen und schmalen Fensterflächen. Die vordere Hälfte des Schiffes ist lichtdurchflutet. Die raumhohe Glasfront zieht sich über die gesamte Schiffsbreite. Jeweils zwei Elemente lassen sich auf Schienen zusammenschieben und holen die Natur direkt ins Wohnzimmer. Zur nächsten Seemobil-Baureihe soll noch mehr Pfiff in die Möbel kommen, berichtet Baumgärtner. Entsprechende Planungen seien gerade in Kooperation mit der Berliner Kunsthochschule in der Umsetzung.

Zu jeder Einweisung in das Seemobil gehört eine Probefahrt mit dem Eigner. Langsam schiebt sich das zwölf Tonnen schwere Mobil aus der Liegebox. Kurz heulen die zwei Motoren auf und das Mobil steht still. Die Maschinen werden gegenläufig eingestellt und das Seemobil dreht sich um seine eigene Achse ohne Abdrift. Mit solch genauer Navigation hatten wir nicht gerechnet. Sönke­ Baumgärtner schaut zufrieden in die Runde. Die Premiere an Bord ist bestanden. Seicht gleiten wir die Havel hinab in Richtung Zehdenick. Kilometer um Kilometer werden wir vertrauter mit der Steuerung. Beim Tanken stellen wir fest, dass auch der direkte Kontakt zwischen Schiffskörper und Hafenmauer beim Seemobil durchaus zum Navigieren gehört, aber nur als Fixpunkt für Drehungen. Dafür ist der Rumpf mit einer Gummiwulst ausgelegt. Etwas ungewohnt für uns, aber hilfreich und praktisch.

Zwei Dieselmotoren mit je 11,80 Kilowatt treiben das Seemobil mit einem Tiefgang von 70 Zentimetern durch das grün-blaue Wasser. Mit seinen maximal neun Stundenkilometern erscheint es auf den ersten Blick langsam. Doch die Masse des Schiffs schiebt von hinten. Ich bin dankbar für die zwei leistungsfähigen Motoren, die den Katamaran auf Kommando zum Stillstehen bringen. Ich fühle mich schon wie ein richtiger Binnenschiffer: Zwei Steuerhebel in der Hand und ein Palast auf dem Wasser mein eigen.

Zweimal aufstoppen, wenden und gemeinsam in Zehdenick tanken. Dann geht es zurück zur Marina Mildenberg, und Herr Baumgärtner überlässt uns das Seemobil. 

 

 

Die Reise beginnt

Die Dielen im Wohnraum strahlen wohnliche Wärme aus. Unterstützt wird dieses Empfinden durch eine Webasto-Heizluftheißung, die wahre Wunder auch an kühlen Herbstabenden vollbringt. Es ist angenehm warm – trotz der vielen Glasflächen. Der Wohnraum ist in drei große Bereiche gegliedert. Die vordere Hälfte dient als Wohn- und Aufenthaltsraum. Eine breite Sonnenterasse lässt sich direkt vom Wohnraum aus betreten. Schiebt man die dreiflüglige Fensterfront zusammen, so kann man den Wohnraum um die Terrasse erweitern. Die zweite Schiffshälfte beherbergt zwei Kabinen mit je zwei Betten sowie einen Sanitärraum und eine offene Küchenzeile. 

Die Havel in Richtung Kannenburg ist sehr ruhig, ja fast schon unspektakulär. Nur Wälder und Wiesen säumen das Ufer. Hin und wieder begegnen wir einzelnen Booten. Jedes Mal löst unser Erscheinen ungläubige Blicke aus. Weit kommen wir nicht am ersten Tag. An der Anlegestelle zur Schleuse Marien­thal beschließen wir festzumachen. Für heute genug gefahren. Das Anlegen geht problemlos. Wie wir merken, lässt sich das Seemobil durch die beiden Maschinen sehr kontrolliert steuern.

Laut schellt der Wecker durch das Schiff. Aufstehen bewirkt bei Schiffsbesatzungen den Effekt wie das Umwerfen eines Dominosteines. Unklar ist mir bis heute, ob Ehrgeiz der Antrieb meiner Mitreisenden ist, oder doch die naturgemäß hellhörige Konstruktion der meisten Schiffe. 

Lesen Sie weiter in der Ausgabe Seenland 2009

 

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