Sportbootführerschein – ein Erfahrungsbericht

Geschrieben von Sebastian Kühl

 

Vom Urlaubsskipper zum Süßwassermatrosen.

Das Fieber packte mich während einer einwöchigen Reise mit einem Hausboot auf der Kleinseenplatte irgendwo zwischen Rheinsberg und Fürstenberg.

Ich war so fasziniert vom Reisen über Seen und durch Kanäle, dass ich von nun an so oft es ging meine Freizeit auf dem Wasser verbrachte. Doch ganz gleich ob Hausboot oder Floß – immer standen die ewig gleichen Einweisungen vor dem Beginn jeder Tour. Und auch wenn es ganz angenehm war, mit Schrittgeschwindigkeit über die Wasseroberfläche zu tuckern, so schwebte mir doch hin und wieder vor, den Hebel mal so ordentlich auf den Tisch zu legen. Kein Urlaubsskipper, sondern ein richtiger Sportbootkapitän zu sein, vielleicht sogar ein eigenes Boot zu besitzen – das waren Gedanken, die mir schon lange nicht mehr aus dem Kopf gingen.

Hydrophile Sehnsüchte

All dies führte zu dem Schluss: Ich brauchte einen Bootsführerschein! Genauer gesagt den Sportbootführerschein Binnen. Mit ihm in der Tasche würde ich der Erfüllung meiner hydrophilen Sehnsüchte einen gewaltigen Schritt näher kommen. Denn er würde mich zum Führen eines maschinengetriebenen Sportboots mit über fünf PS und einer Länge von weniger als 15 Metern berechtigen. So oder ähnlich gestelzt klingt das im Amtsdeutsch. Lapidar übersetzt: ein großes Boot mit ordentlichem Schub.
Erster Schritt auf dem Weg dahin: eine Ausbildungsstätte finden. Da heimatnah, fiel meine Wahl auf die Yacht-Schule der Marina Lanke Berlin. Um eine optimale Vermittlung des Stoffs zu gewährleisten, werden die Kurse dort mit maximal zwölf Personen durchgeführt. Arbeitnehmerfreundlich: Geschult wird kompakt an einem Wochenende. Laut einer Broschüre, die ich während der Vorbereitung las, umfasst der Kurs zwölf Unterrichtsstunden Theorie und drei Praxis-Einheiten. In dieser Zeit sollen den Führerscheinanwärtern „die notwendigen Kenntnisse in Bootsbau, Seemannschaft, Manövertheorie, Gesetzeskunde und Motorenkunde“ vermittelt werden. Ganz schön viel Stoff für ein einziges Wochenende.

Gespannt und voller freudiger Erwartung stand ich dann an einem sonnigen Freitagabend vor dem kleinen Schulgebäude auf dem Yachtgelände. Nach und nach trudelten die anderen Bootsfahrschüler ein. Von jung-dynamisch bis graumeliert, vom Psychologen über den Polizisten bis hin zum Werbefritzen reichte das Spektrum der Skipper-Novizen. Ebenso bunt gemischt wie der berufliche Hintergrund war die Motivation der Teilnehmer. Manch einer suchte Freiheit, ein anderer erhoffte sich mehr Angelerfolg. Auch Großstadtflucht und die Liebe zur Natur hörte man als Begründung. Zwischendurch gesellte sich unsere junge Bootsfahrlehrerin Ingrid dazu. Bevor es mit dem Unterricht losgehen konnte, war noch ein Seh- und Hörtest fällig. Anschließend verteilte Ingrid nach einer kurzen Begrüßungsrunde die Tampen für das Knotentraining. Ach, die Knoten! Vor der Disziplin graute mir am meisten. Acht verschiedene müsse man beherrschen und eine Auswahl davon während der praktischen Prüfung vorführen, erklärte Ingrid. Na, das konnte ja was werden.

Lern- und Knotenmarathon

Unterdessen begannen die Lektionen. Ingrid erklärte, erläuterte und skizzierte an der Tafel Schon nach kurzer Zeit wurde mir klar, dass ein aufmerksames Zuhören nicht ausreichen würde, um die Prüfung zu bestehen. Intensives Lernen war hier gefragt. So besorgte ich mir am nächsten Kurstag umgehend das Lehrbuch und sämtliche Prüfungsbögen.

Da es nur zwei Übungsboote gab, auf denen jeweils drei Fahrschülern und ein Lehrer Platz hatten, wurde mein Kurs in Gruppen geteilt. Genug Zeit also, um zwischendurch noch einmal etwas nachzu­lesen. Durch meine Urlaubserfahrungen fiel mir die Handhabung des Boots dann auch relativ leicht. So gestalteten sich die Fahrten inklusive des ausführlichen Trainings von Anlege- und Ablegemanövern und dem obligatorischen „Mann über Bord“ – bei dem es aber nur den Rettungsring zu bergen galt – recht kurzweilig. Auf diese Weise ging auch Kurstag drei zu Ende  und voller Überschwang meldete ich mich, wie die meisten anderen Teilnehmer, für den nächstmöglichen Prüfungstermin in knapp zwei Wochen an.
Daheim kam ich dann aber etwas ins Grübeln. War die Zeitspanne nicht etwas zu gering gewählt? Bei der Flut an Informationen? Auch wurden die Finger langsam wund vom Knotenüben. So oder so: Der Prüfungstermin stand. Zwei Tage vorher fand eine Auffrischungsfahrt statt, bei der ich noch einmal Selbstvertrauen für den „großen Tag“ tankte.

Lesen Sie weiter in der Ausgabe Seenland 2011