Ganz dicht am Herzen der Natur

Geschrieben von Detlef Stöcker

Praktisch: Bootstransport mit der Schienenlore. Foto: Britt Grünke

Einer Kajaktour durch die ursprüngliche Landschaft der Mecklenburgischen Seenplatte. Schnell ist vergessen, dass die Zivilisation nur wenige Kilometer entfernt wartet.

Eine Woche kein Stress, kein Lärm, kein Handy. Da man nie weiß, was geschieht, steckt das Mobiltelefon im wasserdichten Packsack, ganz unten natürlich, ausgeschaltet, und ausschließlich für Notfälle. Wir haben uns für diese Tour die Leckerbissen der kleinen Mecklenburger Seenplatte herausgepickt. Hundert Kilometer in fünf Tagen haben wir uns vorgenommen. Eine ruhige Tour mit nicht allzuviel paddeln am Tag, genügend Zeit, um die Seele baumeln zu lassen und die Gegend zu genießen. Wir freuen uns auf die vor uns liegende Woche der entschleunigten Zeit und Reise, um in unseren schnellen hektischen Tagen wieder herunterzukommen und um eine gehörige Portion Ausgleich zu atmen.


Unser alter Bekannter Rüdiger der „Chef der Biber“ von Biber Tours an der Schleuse Diemitz, spottet über meine Ungelenkigkeit, da der Winter noch in den Knochen steckt. Doch gerade diese Zeit des frischen satten Grüns ist ideal, um diese Strecke zu paddeln und für sich zu entdecken. Von Mitte April bis Mitte Juni sind nur wenige Touristen im Revier, Motorboote sind nur selten unterwegs. Wir starten schon am Donnerstag, sodass wir keine Bedenken haben, gestört zu werden. Vorher haben wir an der Tourist-info in Mirow noch eine „Touristen Angelerlaubnis“ für 20 Euro gekauft und beim Fischer in Canow für das Revier der Wesenberger Seenfischerei eine Wochen-Angelkarte. Damit wir nicht auf eigene Fangerfolge angewiesen sind, nehmen wir auch gleich zwei frische Barsche mit.
Mit flottem Paddelschlag legen wir bei Rüdiger und den Bibern ab. Kurz darauf erreichen wir den Labussee, der bei westlichen und südwestlichen Winden eine unangenehme Hacksee aufbauen kann. Doch heute herrschen Ententeichbedingungen, herrlich. Die Frühlingssonne wärmt schon kräftig und vertreibt die winterliche Starre, die den Paddler während der schrecklichen bootlosen Zeit befällt. Auf dem Labussee ist sofort eine erste weitreichende Entscheidung fällig: Fahren wir über die Schleuse Canow und Strasen nach Priepert und von dort das lange Kanalstück hinter dem Priepertsee hoch nach Wesenberg oder biegen wir links ab auf den Dollbek zum Gobenowsee, wo der Weg rechterhand nach Wustrow, zum kristallklaren Plättlinsee und entlang der malerischen Schwaanhavel führt? Die Entscheidung fällt schwer.
Mehr Naturerleben verspricht der Weg über die Schwaanhavel, also paddeln wir fast wie von selbst nach links in Richtung des Dollbek. Eine Schneise im Schilf und ein Seezeichen markieren die Einfahrt, und gleich dahinter umfängt uns ein zauberhafter, malerischer kleiner See, mit Inselchen, vieltausenden See- und Teichrosen, die wegen der frühen Jahreszeit gerade mit ihren Blättern an die Wasseroberfl äche wachsen. Einige sind schon da, doch nur wenige zeigen erste zartfedrige Blüten.

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