Im Seekajak rund um Hedins Oy

Geschrieben von Detlef Stöcker

Geschafft und glücklich zieht Britt Grünke das Kajak nach der Hiddensee-Umrundung an Land. Foto: Britt Grünke

Eine Kajaktour um die schönste Insel an der Ostsee – Hiddensee ist Naturerlebnis und sportliche Herausforderung.

Auf Fluten so malerisch, wie die Lagunen der Südsee. Leuchtend weißer Sand, so feinkörnig, dass er in Stundengläsern durchrieseln würde. Von Süd nach Nord sanft ansteigend bis zum höchsten Punkt am Dornbusch. Das ist Hiddensee.

Mit dem Kajak durch den Nationalpark

 

Vom kleinen Hafen Barhöft, etwa zehn Kilometer westlich von Stralsund, paddeln wir an einem herrlichen Sonnentag los. Hidden-see ist eine kleine, nur 16 Kilometer lange und schmale Insel, deren Form etwas an ein Seepferdchen erinnert. Der Wetterbericht verheißt Kaiserwetter für die nächsten Tage, ein stabile sommerliche Hochdruckwetterlage. Eine leichte, östliche Brise weht als angenehm kühlendes Lüftchen in der aufsteigenden Hitze des Sommers. Der mil-de Wind mit einer Stärke von höchstens einem Beaufort bietet weder nenneswerte Unterstützung im Rücken noch Behinderung von vorn. Wir fahren mit unseren Kajaks mitten durch den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft und sind zur Einhaltung des Fahrwassers verpflichtet. Das Paddeln links und rechts davon kann hier sehr schnell unangenehm teuer werden. Links die Insel der Bock, und rechts die ausgedehnte Flachstelle südlich des Gellen, wo die Enten mit trockenen Bäuchen im Wasser stehen können.

„Hedins Oy“, also Hedins „Ei“land oder Insel wird in unserer Form zum Wort Hiddensee zusammengezogen. Es wird vermutet, dass die Insel „Hedin“ einem verdienten Vasallen des Dänenkönigs Waldemar, der im Jahr 1168 die Festung Arkona und damit Rügen eroberte, als Lehen übergeben wurde. Ständig formt und modelliert die Ostsee an der erdgeschichtlich noch sehr jungen Insel herum, die erst nach dem Ende der letzten Eiszeit entstand. Nur etwa 7.500 Jahre alt ist Hidden-see und noch im Werden, obwohl die Ostsee immer wieder durch verheerende Sturmfluten deren Existenz gänzlich infrage stellt.

Anlanden am Strand

Zügig paddeln wir im Fahrwasser hinaus auf die Ostsee westlich von Hiddensee. Die etwas höhere Dünung macht Spaß und erfordert sicheres Sitzen im Boot. Einige Angler sind mit ihren offenen Motorbooten unterwegs, und nur wenige Yachties sind mit den Charterseglern zu dieser frühen Stunde schon auf Törn. In Höhe des südlichen kleinen Leuchtturms Gellen landen wir zwischen den Buhnen am schneeweißen Strand an. Die höher steigende Sonne lockt zum Bad und Sonnen an diesem menschenleeren Strand. So toben wir ausgelassen durch die erfrischenden Ostseewogen, bevor wir weiterpaddeln. Ohne Pause führt unser Weg vorbei an Neuendorf, Vitte und Kloster. Die nun deutlich volleren Strände künden vom starken Besucherinteresse an dieser lieblichen Insel.

Wenn die Sicht schlecht sein sollte, empfiehlt es sich, die Tour um den Dornbusch nicht zu paddeln und die Kajaks in Höhe des Ortes Vitte über Land zur Boddenseite zu rollen. Die Überwindung des Sandstrandes erfordert zwar etwas mehr Kraft; ist aber diese Hürde genommen, so rollen die Kajaks auf dem mitzuführenden Bootswagen flott zum Hafen Vitte Langeort, wo diese sicher liegen können, bevor man zur Pensionssuche aufbricht. Das Zelten ist auf ganz Hiddensee verboten und kann empfi ndliche Geldbußen nach sich ziehen. Aeolus und Rasmus sind uns heute aber gewogen, und so nehmen wir die etwa fünf Seemeilen lange Umrundung des Dornbusch und der Halbinseln Alt- und Neubessin in Angriff. Die direkte Wegstrecke wäre wohl etwa 1,5 Seemeilen kürzer, aber die Schutzzonen des Nationalparks zwingen einen weiteren Umweg auf.

Steil ragen die Klippen des Dornbusch, mit seinem berühmten gleichnamige Leuchtturm über uns auf, über siebzig Meter ist He-dins Oy hier hoch. Spätestens seit den Kachelmanns Wetterberichten ist die Nordspitze Hiddensees in Deutschlands Wohnzimmern bekannt.

Lesen Sie weiter in der Ausgabe Seenland Ostsee 2008