Neuruppin: Wie Phönix

Geschrieben von Stefanie Rose

Von Karl Friedrich Schinkel wiederhergestellte Klosterkirche.

Neuruppin reicht vom Ortsteil Karwe am Ruppiner See bis nach Binenwalde am romantischen Kalksee. Zwischen beiden Orten befinden sich vier weitere Gewässer „wie Perlen an einer Schnur“ (Theodor Fontane).

Neuruppin liegt mit seiner historischen Innenstadt am längsten See des Landes Brandenburg, am Ruppiner See, der von Alt-Friesack bis Alt Ruppin 14 Kilometer misst. In Alt Ruppin, auf der heutigen Halbinsel Amtswerder, stand einst die Burg des Grafen Gebhardt von Arnstein. Sein Sohn „schenkte“ am 9. März 1256 „aus Zuneigung zu unserer Stadt Ruppin“ Neuruppin „gewisse Rechte, wie sie die Stadt … Stendal genießt“. Es lag wohl weniger an der Zuneigung zu Neuruppin als mehr am Druck der Neuruppiner Bürgerschaft, die zu diesem Privileg geführt hatte. Sei es wie es sei: Nun besaß Neuruppin das Stadtrecht.

Da die Unterschriften vor genau 750 Jahren unter die Urkunde gesetzt wurden, ist 2006 für die Neuruppiner und seine Gäste ein großes Festjahr. Neben dem Stadtrecht gibt es den 225. Geburtstag des bedeutenden Baumeisters des Klassizismus, Karl Friedrich Schinkel, zu feiern und des 200. Jahrestages des Wiederaufbaus der Stadt zu gedenken. Denn Neuruppin war 1787 zu zwei Dritteln abgebrannt und 1806 wie Phönix aus der Asche wiedererstanden. Das „Wiedererstandene“ kann komplett besichtigt werden. Nicht nur im Museum Neuruppin (dort natürlich auch, sogar mit einer Sonderausstellung zum 200. Jahrestag des Wiederaufbaus) sondern durch einen Besuch der Fontanestadt.

Mit Motorboot, Segelboot oder per Armkraft

Die Fahrt über den Ruppiner See, der problemlos von den Berliner Gewässern aus über Oranienburg zu erreichen ist, geht vorbei am Zietenschloss Wustrau, am Karwe der Knesebecks und am ehemaligen Rittergut Gnewikow, das heute ein Internationales Jugenddorf mit Platz für 500 Urlauber ist. Irgendwann taucht dann die einmalige Silhouette Neuruppins auf: Zuerst die Türme der Klosterkirche St. Trinitatis, dann Bäume, Stadtmauer, der stählerne Parzival am See.

Direkt an der Uferpromenade, zu Füßen der Klosterkirche, befindet sich ein neuer Bootssteg mit Gastliegeplätzen. Vom See­ufer aus führen mehrere Straßen, die noch den Charme des Neuruppin vor dem Brand von 1787 besitzen, ins wenige hundert Meter entfernte Stadtzentrum. Hier begegnet dem Besucher eine Innenstadt, die die Architekten und Kunsthistoriker »als reifste Leistung im preußischen Provinzialstädtebau des 18. Jahrhunderts« bezeichnen. Der preußische Kammerpräsident Karl Friedrich von Voß setzte hier seine Vorstellung von einem Städtebau der Aufklärung um: breite, klar strukturierte Straßen, große Plätze, in seiner Mitte ein repräsentatives Schulhaus. Die Häuser einheitlich zweigeschossig – und trotzdem jedes mit einem eigenen Gesicht.

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