Urlaub nach Gutsherrenart

Geschrieben von Christin Meißner

 

Von der Wasserburg zur Kulturhochburg - Schloss Ulrichshusen. Foto: Schloss Ulrichshusen

Foto: Schloss Ulrichshusen

Rund um die Müritz erheben sich etliche Gutshäuser. Wo einst der Adel residierte, finden Gäste heute erstklassige Hotels.

Die von Maltzahns, von Bülows oder von Flotows – Namen, die eng mit der Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns verbunden sind. Denn diesen und anderen norddeutschen Adelsfamilien gehörte seit dem 12. Jahrhundert der Großteil der Ländereien östlich der Elbe, einem Landstrich, in dem es kaum reine Bauerndörfer, sondern vorwiegend Gutsdörfer gibt.
Als Zentrum ihrer Macht bauten sie sich repräsentative Herrenhäuser, die wegen ihrer häufig pompösen Gestalt auch als Schloss bezeichnet wurden und werden. Allerdings, wenn man es genau nimmt, eine kunsthistorisch falsche Kategorisierung, denn ein Schloss war ausschließlich die Behausung eines Landesherren. Trotzdem führten ihre Besitzer hier ein hochherrschaftliches Leben in prunkvoll ausgestatteten Räumlichkeiten, mit Hausdamen, Köchen und Gärtnern sowie einer ganzen Heerschar an leibeigenen Bauern, die Viehzucht betrieben und die Felder mit Getreide und Gemüse bestellten.
Dabei war die Geschichte der Mecklenburger Gutshäuser nicht immer so idyllisch wie ihre Lage: In Krisenzeiten wurden sie häufig verpfändet, mussten nach verheerenden Bränden wieder aufgebaut werden, ihre Besitzer wurden nach dem Zweiten Weltkrieg massenhaft enteignet, oder die Gebäude fielen der Abrissbirne zum Opfer. Was stehen blieb, wurde zur Flüchtlingsunterkunft, später zogen LPG-Küchen, HO-Verkaufsstellen oder Kindergärten in die alten Gemäuer. Zu DDR-Zeiten achtete man dabei wenig auf Instandhaltung. Meist wurden die historischen Gebäude sich selbst, dem Wind und dem Wetter überlassen.
Von den 2.900 bis 1945 existierenden Gutshäusern in Mecklenburg-Vorpommern sind heute noch 2.000 erhalten. 100 davon im Müritzgebiet. Nach der Wende erkannten einige Investoren deren verborgenen Charme, wagten die Sanierung und führten sie einer neuen Nutzung zu. So beherbergen sie heute Museen, Privatkliniken, Reiterhöfe und natürlich Hotels.

Schlosshotel Burg Schlitz

 

Den Bau der Burg Schlitz machte erst eine Adoption möglich. Denn ihr Erbauer, Hans Graf von Schlitz, war gar kein „echter“ Graf, sondern hieß eigentlich Hans von Labes. Damit dieser jedoch seine Tochter heiraten konnte, wurde er von Johann Eustach von Schlitz kurzerhand adoptiert und so in den Grafenstand erhoben.
1806 begannen die Bauarbeiten, 1823 war das klassizistische Herrenhaus fertiggestellt. Zahlreiche Besucher kamen auf die Burg, besonders wegen der Jagd und der idyllischen Lage. So auch Künstler und Schriftsteller wie Achim von Arnim oder Johann Wolfgang von Goethe. Das gesellschaftliche Zentrum des Hauses bildete dabei der neugotische Rittersaal, der heute, weitgehend im Original erhalten, als Restaurant genutzt wird. Rund um das Gutshaus erstreckt sich eine riesige Parkanlage mit breiten Alleen und versteckten Teichen. Eine Besonderheit ist der bronzene Nymphenbrunnen. Insgesamt drei fertigte der Berliner Bildhauer Walter Schott davon an: Einer steht heute in Berlin, einer im New Yorker Central Park und einer im Gutsparks Schlitz.
1932 gelangte Burg Schlitz in die Hände von Dr. Emil Georg von Strauß, damals Generaldirektor der Deutschen Bank und Vorstandsmitglied der Ufa-Filmgesellschaft. Der NSDAP nahestehend, stellte er das Gutshaus häufig hochrangigen Nazis als Versammlungs- und Erholungsort zur Verfügung. Bis 1993 diente das Herrenhaus dann als Pflegeheim, bevor es 1999 als 5-Sterne-Hotel mit 20 Zimmern und Suiten sowie einem riesigem Wellnessbereich wiedereröffnet wurde.

Schloss Ulrichshusen

1562 legte Ulrich von Maltzahn den Grundstein für sein als Wasserburg konzipiertes „hus“. Jahrzehnte später rissen die damaligen politischen Verhältnisse das Gutshaus jedoch aus dem Familienbesitz. Bernd-Ludolph von Maltzahn, Quartiermeister Wallensteins, wurde wegen Sympathisierens mit dem Feldherren des Landes verwiesen. Als besonders verhängnisvoll erwies sich die Silvesternacht 1986/87: Unter mysteriösen Umständen, die bis heute ungeklärt sind, brannte das Gutshaus bis auf die Grundmauern nieder.
Eine Ruine war es dann auch, die Helmuth­ und Alla von Maltzahn nach 1990 vorfanden. Viele hielten die Kaufabsicht des ehemaligen Geschäftsführers des Kosmetikkonzerns Lancaster für eine irrsinnige Idee. Trotzdem entschied sich der Adelsnachfahre für das Mammutprojekt, holte das Gutshaus zurück in die Familie und eröffnete hier 2001 ein Hotel. Das Haupthaus beherbergt heute 19 Zimmer, in den alten Pferdestall ist ein Restaurant eingezogen. Daneben hat sich Ulrichshusen auch als Kulturhochburg etabliert, denn jährlich finden hier die „Festspiele Mecklenburg-Vorpommern“ statt. 2010 hat sich Star-Geiger Daniel Hope angekündigt.

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