Von Burg zu Burg

Geschrieben von Christiane Dohnt

Das untere Tor der Burg Stargard, um 1250 gebaut, seit 1755 teilweise zerstört. Heute steht nur noch die Fassade. Foto: Christiane Dohnt

Foto: Christiane Dohnt

Ein mecklenburgischer Wandertag von Burg Stargard nach Penzlin. Jeden August lädt auf dieser Strecke der HSV Neubrandenburg zum Burgenlauf, mehrere hundert Läufer nehmen teil. Als Siegerehrung gibt es den Ritterschlag vom Burgherrn der Burg Stargard.

Herrlich sonnig ist dieser Spätsommermorgen. Geradezu perfekt für eine Wanderung. Also schnell Proviant in den Rucksäcken verstaut, Wanderschuhe angezogen und zu sechst ab zum Berliner Hauptbahnhof. Eingetragenes Ziel auf dem Ticket: Burg Stargard. Rund 1,5 Stunden Zugfahrt, dann beginnt unsere Reise auf dem Burgenwanderweg.

Die Backsteinburg Stargard, 1248 erstmals urkundlich erwähnt, ist die älteste erhaltene Höhenburg Norddeutschlands und liegt 50 Meter über der Stadt. Einst war sie politischer und strategischer Mittelpunkt Ostmecklenburgs. Herzöge und Heerführer residierten hier. Heute kann man die elf erhaltenen Gebäude und ein Heimatmuseum besuchen. Besteigt man den Burgturm, reicht der Blick bei guten Sichtverhältnissen bis zu 30 Kilometer weit ins Mecklenburger Land. Wir verzichten jedoch darauf, denn wir wollen wandern. 27 Kilometer warten auf uns. Julia läuft das erste Mal einen so langen Weg und sieht es als Training für mehr: „Ich würde schon gern in nächster Zeit einen Teil des Jakobsweges ablaufen“, verrät sie.

Kühle Wälder

Gleich hinter den roten Backsteinmauern eröffnet sich ein wunderschöner Blick über Obstbaumplantagen. Wiesenwege schlängeln sich hier durch die Landschaft. Trotz Spätsommer brennt die Sonne schon am frühen Mittag heiß vom Himmel und erleichtert erreichen wir einen dichten, schattenspendenden Wald. „Die müssen uralt sein!“, stellt Stefan mit Blick auf die meterhohen Eichen beeindruckt fest. Und auch sonst bietet die Flora viel Abwechslung: goldgelbe Felder, die sich über Hügel ziehen, grüne Apfelbäume am Wegesrand und überall das Blau und Rot von Korn- und Mohnblumen. Die Fauna bietet hingegen aggressive Stechmücken und unfassbar viele kleine Frösche, die ab und zu vorbeispringen und deren Gequake unserer Wanderung eine besondere Geräuschkulisse verleiht.

Bald erreichen wir Ballwitz. Ein idyllischer Ort, der im Jahr 2001 zum „schönsten Dorf Mecklenburg-Vorpommerns“ gewählt wurde. Wir setzen uns an den Dorfteich und machen Rast mit Brot und Käse. Auch am Krickower See kurz hinter Zachow legen wir einen Zwischenstopp ein und springen ins kühle Nass. Viele Muscheln findet man dort und vor allem – Abgeschiedenheit. Interessant in Zachow: die Dorfkirche, die Dorfschmiede sowie das Haus des hier ansässigen Künstlerehepaares mit Galerie. Wieder auf dem Weg geht es durch einen kleinen Hain und über Kopfsteinpflaster. „Vielleicht ist hier früher der Gesandte des Königs von einer Burg zur anderen geritten“, mutmaßt Stefan über den verwitterten Weg. Ganz unrecht hat er damit nicht. Einst war er ein Handelsweg, auf dem Übersee-Waren von der Küste weiter ins Landesinnere transportiert wurden.

In Usadel überqueren wir die Bundesstraße. Wem die Tour für einen Tag zu anstrengend ist, kann hier im Jagdschloss Prillwitz mit Blick auf die Lieps, einem See am Südende des Tollensesees, übernachten.

Lesen Sie weiter in der Ausgabe Seenland 2011