Der Cosi: Leipzigs schnellster See

Geschrieben von Sophia Schleichardt

In der Marina am Pier 1 ist Platz für mindestens 200 Boote. Foto: Pier1.de

Der Cospudener See vollzog die Verwandlung vom Tagebaurestloch zum Naherholungsgebiet als einer der ersten. Dieser Vorsprung ist spürbar: Eine besondere Vielfalt von Freizeitangeboten lockt an Sachsens längsten Sandstrand.

Eine junge Frau mit Rollen unter den flinken Füßen verschnauft nahe dem Ufer in der Sonne. „Nach der Arbeit fahre ich gerne her, um den Kopf freizubekommen. Man saust um den See und das Schönste ist, dass man merkt, wie man vorankommt. Die Strecke ist ideal für Flachländler und für die vielen Inlineskater, die nicht bremsen können.“ Sie lacht: „Für mich zum Beispiel.“ Die elf Kilometer lange Strecke, die sie gerade hinter sich hat, sei sehr gut ausgebaut. Zu welchem Ufer ihr Blick auch schweift – in der Ferne wimmeln winzig die Gestalten der Bewegungslustigen: Skater, Radfahrer, Läufer, Nordic Walker und Spaziergänger. Jeder findet seine eigene Geschwindigkeit am „Cosi“, wie die Leipziger ihren zügig erreichbaren See im Süden der Stadt nennen.

Zwischen Nord- und Oststrand

An dessen Nordufer beginnt Sachsens längster Sandstrand – die „Costa Cospuda“. Die Bälle und Blicke fliegen hier zu den Klängen aus den beiden Strandcafés durch die Luft. Hinter dem Strand wird, von der Hitze und Weite des Seepanoramas unbeeindruckt, an den Abschlägen durch die Enge des Minigolfparcours getüftelt. Aus einer nahen Bucht jauchzt und plappert es aufgeregt: ein Wasserspielplatz. Nach Belieben können Sonnensucher auch einen abgelegenen Wasserplatz finden, urig unter Bäumen gelegen. Der beschauliche Abschnitt, an dessen Ufer vereinzelt der Freikörperkultur gefrönt wird, erstreckt sich vom Nordufer über einige Kilometer bis zum Oststrand.Dort wird wiederum Golf in großem Stil gespielt, und in direkter Nachbarschaft grüßt die vielseitig-interessante Architektur einer modernen Wohnsiedlung im Zöbigker Winkel.

Von der Grube zum Gestade

Das Dörfchen Cospuden, das dem See seinen Namen gab, fiel 1974 dem Braunkohletagebau zum Opfer. Bis 1992 wurde die Braunkohle befördert. Bald nach der Stilllegung ging es an die Flutung und Rekultivierung, bis schließlich 2000 der natürliche Wasserspiegel erreicht wurde. Im gleichen Jahr wurde der See im Rahmen der unter dem Titel „Natur, Mensch und Technik“ stehenden Expo als Mittelpunkt des Beitrags „Landschaftsgestaltung – Landschaftsnutzung“ feierlich eröffnet. Seither gilt er als gelungenes Beispiel einer Tagebaufolgelandschaft. Bis 2010 soll ein Gewässerverbund zwischen den einzelnen Seen im Leipziger Neuseenland entstehen, der diese untereinander und über Fließgewässer auch mit der Stadt Leipzig verbindet. Dies verspricht noch bessere Entwicklungschancen für den Wassertourismus in der Region.

Die Drachenbändiger

Bei rauem Wind stehen bunte, riesige Drachen am Himmel des Zöbigker Winkels. Das Ufer ist ein beliebter Anlaufpunkt für die Kiter in Leipzig und Umgebung. Hier teilen sie sich ihr Revier mit den „herkömmlichen“ Windsurfern. Kitesurfen, das Surfen mit einem großen Lenkdrachen, hat sich als Modesportart verbreitet und lädt zum Staunen ein: An den Drachenzügeln erreichen Kiter tollkühne Geschwindigkeiten von bis zu 60 Stundenkilometern. Auf den kleinen Surfbrettern wirbeln sie meterweit durch die Luft. Einer der Akrobaten, der 23-jährige Leonard Zippel, löst sich gerade aus dem rasanten Treiben auf dem See. Schnaufend steigt er aus dem Wasser und schwärmt von seinem extravaganten Hobby und den Bedingungen am „Cosi“: „Es macht solchen Spaß. Die Geschwindigkeit, das Adrenalin – eine richtige Sucht.“ Aber die meistgestellte Frage der zahlreichen Schaulustigen ist: „Mensch, ist das nicht gefährlich?“ Die Antwort trägt ein Schmunzeln um die Lippen: „Sicher ist es das, sonst wären die Adrenalinschübe ja nicht so schön.“

„Pier 1“ ist erste Wassersportadresse

Wer sich mit weniger Aufregung zufrieden gibt, kommt im Wassersportzentrum „Pier 1“ ebenfalls auf seine Kosten. Die Marina ist ein Paradies für Aquarisches aller Art. Es wird gepaddelt, gerudert, gesegelt und getaucht. Ein Bootsverleih bietet seine Dienste an, und insgesamt stellt der Hafen Liegeplätze für 200 Boote, die auf ihren Einsatz warten. Hochbetrieb ist hier am Wochenende. Dann gleiten die Segel sacht oder bestimmt über den „Lago Cospuda“, jedes in seiner Geschwindigkeit. Motorboote sind auf dem See verboten. Der Seglernachwuchs steht schon in den Startlöchern: „Ich fahre auch bei Regatten mit. Man wird zwar manchmal ganz schön nass, aber na ja“, grinst der erst neunjährige Markus Hartzmann. Der Seglerverein Leipzig Süd-West e. V. organisiert Regatten und andere Veranstaltungen.

Am „Pier 1“ dampft es immer dann, wenn die Tür der „Sauna im See“ aufgeht und der „Cosi“ als vier Quadratkilometer großes Abkühlungsbecken genutzt wird. Nebenan, auf der „Seeterrasse Cospuden“ sitzt es sich sehr kurzweilig. Der Blick geht zu den Kunststückchen der Wassersportler und das improvisierte Entenfutter landet mit einer Wurfbewegung bei den nimmer satten Schwänen. Unter der Terrasse sieht man Rotfederschwärme wie im Trickfilm durch das Wasserkristall huschen.

Blick von Turm zu Turm

Vier Kilometer südlich lohnt ein Anstieg über 180 Treppen zur Bistumshöhe. Der Aussichtspunkt bietet einen grandiosen Blick über den See. Von der Innenstadt-Skyline am Horizont grüßt der „Weisheitszahn“ herüber, Leipzigs Hochhaus Nummer eins mit 142 Metern. Der Ausblick an das Westufer verrät indessen nicht viel. Es ist dem Natur- und Landschaftsschutz vorbehalten. Nur der Rundweg für individuelle Geschwindigkeiten, für Inlineskater, Jogger und Fußgänger, schließt sich hier um den See zurück zum Nordufer.

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