Im Sprint übers Wasser

Geschrieben von Jan Peterson

 

Die Galeon lässt man nicht gern allein – schnell, wendig, schick!

Ein sportlicher Motorboottörn über Oberseen, Müritz und Kleinseenplatte. Schnell soll es zugehen auf unserem Törn. Geradezu rasant. In der Marina Eldenburg bei Waren liegt dafür das perfekte Boot bereit.

Eine Galeon 330 Flybridge. Mit 350 PS an der Schraube ein rasantes Spaßgefährt. Unser erster Gleiter, den wir als Hausboot nutzen. Beim Gleiten hebt sich das Boot aus dem Wasser und setzt damit die normalerweise durch die  Rumpflänge beschränkte Geschwindigkeit des Bootes außer Kraft. Damit sind deutlich höhere Geschwindigkeiten erzielbar. Aber auch deutlich mehr Umsicht muss beim Führen des Bootes walten. Obgleich im Besitz eines Bootsführerscheins, freue ich mich über die ausführliche Einweisung von meinem Charterer Thomas Schulz. Gemeinsam mit seinem Bruder Steffen führt dieser die Geschicke von Yachtcharter Schulz. Er erklärt mir die Technik und weist mich ruhig und mit einer Priese nordischem Humor in das Boot ein. Mein erster Eindruck: Dieses Boot wird Freude machen. Der Z-Antrieb wirkt direkt aufs Wasser und erfordert anfangs eine Umorientierung von der von mir gewohnten indirekten Steuerung über ein Ruderblatt. Doch dies fällt nicht schwer, erfolgt doch die Lenkung bei diesem Boot analog zum Autofahren, selbst beim achteraus Fahren ist so eine präzise Positionierung gegeben.

Tag 1: Eldenburger Eindrücke

Zusammen mit einem befreundeten Paar sind wir zu viert unterwegs auf unserem Törn über die Oberseen der Mecklenburgischen Seenplatte. Aus Erfahrung wissen wir, dass der erste Tag dem Heimathafen gebührt. Anreise und Einweisung fordern ihre Aufmerksamkeit. Also soll der Rest des Tages zum Entspannen genutzt werden, schließlich sind wir im Urlaub. Der Abfahrhafen Marina Eldenburg befindet sich an einer Bucht des Reeckkanal, der Verbindung zwischen Müritz und Kölpinsee. Die Innenstadt der Kreisstadt Waren ist zu Fuß in weniger als 20 Minuten erreichbar.

Auf dem Gelände der Eldenburg befinden sich Ferienhäuser und die Hafengaststätte „Am Reeckhafen“. Der gesamte Hafen trägt die Handschrift des Architekten Steffen Schulz. Die gepflegte Anlage punktet mit moderner Architektur. Besonders sind die hervorragenden Sanitäranlagen des Hafens zu erwähnen. Ausstattung und Ambiente sind auf Hotelniveau und hervorragend gepflegt. Das moderne Ambiente der gesamten Infrastruktur in Kombination mit der ruhigen Lage des Hafens ist ein echter Pluspunkt für die gesamte Anlage.
Im Restaurant verkündet die große Kreidetafel die beiden Tagesgerichte: Ostsee-Scholle mit hausgemachtem Kartoffelsalat sowie Schnitzel mit Spargel und Salzkartoffeln. Unsere Kellnerin Nancy bringt mit gutem Service alles auf den Tisch und wir starten gut gelaunt in den Urlaub. Wieder an Bord steht für uns ein Sekt namens „Der Müritzer“ als Willkommensgruß bereit. So nutzen wir die Gelegenheit, auf der Flying Bridge den Abend unter dem funkelnden Sternenhimmel ausklingen zu lassen. Hier im dünn besiedelten Mecklenburgischen leuchten die Sterne besonders intensiv. 

Tag 2: Wie auf dem fliegenden Teppich

In der Weite der Seenplatte finden Erholung und Abwechslung viel Raum – Urlaub für die Seele.Strahlend blauer Himmel lockt uns schon zeitig aus den Federn. Nach dem Frühstück an Bord besorgen wir uns beim Fischerhof Eldenburg direkt beim Hafen „Morizaner Happen“ Hechtfilets per Hand geschnitten und mariniert. Eine Delikatesse mit reinem, ursprünglichem Geschmack. Die Filets sind praktisch grätenfrei und für das Abendbrot vorgesehen.

Heute wollen wir die Müritz überqueren und auf offener Strecke die Leistung des Bootes erkunden. Gemächlich lege ich ab und motore langsam in Richtung Binnenmüritz. Noch ist nicht viel Verkehr auf dem Wasser. Den Stadthafen von Waren lassen wir an Backbord liegen und ich steuere auf das Schloss Klink zu. Markant thront das feudale Anwesen am Westufer der Müritz. Das Schloss wurde 1898 von Arthur und Hedwig (geb. Borsig) von Schnitzler in Anlehnung an die französischen Loire-Schlösser, nach den Plänen des Architekten Grisebach (Berlin) erbaut. Heute beherbergt das Ensemble ein Hotel und bietet mit seiner schönen Sonnenterrasse einen wunderbaren Blick auf die Müritz.

Auf der Höhe des Schlosses richten wir den Kurs auf die Müritz-Mitte-Tonne. Noch immer sind nur wenige andere Schiffe unterwegs. Langsam nehmen wir Fahrt auf. Schnell steigt die Geschwindigkeitsanzeige nach oben, der Bug des Bootes fängt an sich wie auf einer Hebebühne aus dem Wasser zu heben, es folgt das Heck und wir beginnen zu gleiten. Als das Zifferblatt die 25 Stundenkilometer anzeigt, reduziere ich die Beschleunigung. Auf der Müritz ist dies die zulässige Höchstgeschwindigkeit. Im ersten Moment bereue ich die Beschränkung, spüre ich doch, dass die Galeon weit mehr Reserven hätte. Aber auch mit der erlaubten Geschwindigkeit fühle ich mich, als würden wir wie auf einem fliegenden Teppich über die Müritz brausen. Die Entfernungen auf dem kleinen Meer schrumpfen zusammen und in Windeseile erblicken wir das Hafendorf Müritz am Horizont. Trotz rasanter Fahrt fühlen wir vier uns auf der Flying-Bridge sehr wohl. Die kleine Windscheibe mindert den Fahrtwind erheblich, die Sitze sind bequem und sehen dazu auch noch extrem gut aus – so lässt es sich reisen. Das nicht nur wir uns an Bord wohl fühlen bestätigt uns ein Segelschüler, der unsere Vorbeifahrt mit den Worten „Cooles Boot“ kommentiert. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Die kleine Müritz und die Müritz-Havel-Wasserstraße sind schnell passiert und vor der Schleuse Mirow warten lediglich sieben Boote. Bei mehr Booten kann es hier in der Saison zu längerer Wartezeit kommen. Doch wir sind in Anbetracht der geringen Anzahl an Wartenden zuversichtlich, zügig geschleust zu werden. Das dann doch geschlagene zwei Stunden Warten daraus werden, erstaunt uns zutiefst. Dass Fahrgastschiffe als Berufsschifffahrt Vorrang erhalten, ist verständlich. Aber das die Schleuse nur mit drei anstatt fünf Schiffen geschleust wird, ruft unseren Unmut hervor. Gott sei Dank sind wir im Urlaub und vergessen den Ärger schell. Wahrscheinlich hatte die Schleusenwärterin nur einen schlechten Tag – wie wir alle einmal.

Lesen Sie weiter in der Ausgabe Seenland 2011