Landesgartenschau Oranienburg

Geschrieben von Ina Gorzolka

Oranienburg: Stadtgeschichte zwischen Feinsinn und Barbarei. Foto: Robert Tremmel

Foto: Robert Tremmel

Auf 30 Hektar erlebt die einst prächtige Parkanlage des preußischen Schlosses an der Oberhavel eine Wiederauferstehung, die zu den frühesten Wurzeln der Gartenbaukunst an diesem Ort zurückführt.

Unter dem Motto „Traumlandschaften einer Kurfürstin“ steht Louise Henriette von Brandenburg, Begründerin des Schlosses Oranienburg und dessen Gärten, im Mittelpunkt der zeitgenössischen Gartenkunst. Die 1627 geborene Oranierprinzessin erhielt von ihrem Gatten, Friedrich Wilhelm I. – dem Großen Kurfürsten – Burg und Amt als Geschenk auf Lebenszeit. Hier ließ die Holländerin Schloss und Park Oranienburg in barocker Pracht mit zahlreichen Baum- und Pflanzenimporten aus ihrer Heimat errichten. Der Lustgarten mit seinen Tulpenbeeten, Grachten und Inseln sollte so holländisch wie möglich scheinen. Spätere Landesregimenter – etwa der sogenannte Soldatenkönig Friedrich Wilhelm – sparten stark an den Erhaltungskosten des üppigen Lustgartens, weshalb die ursprüngliche Pracht bis zur diesjährigen Gartenschau nicht wieder erreicht wurde. Das Gartenschaugelände untergliedert sich in mehrere Parkbereiche, die frei mit der Herkunft und dem Leben der Kurfürstin verbunden sind:

Themengärten

Die „Traumlandschaften in Bosketten“, Teil des historischen Schlossparks, sind auf den Baumbestand der einstigen Lustwäldchen begründet. Die sechs Hecken- und Baumensembles staffieren Motive aus dem Leben von Louise Henriette gartengkünstlerisch aus. Die Boskette „Vergänglichkeit“ erinnert an den zeitigen Tod der Schlossherrin im Alter von 39 Jahren mit efeu-überwachsenen Gräbern und blühenden Wildrosen-, Jasmin- und Schneeballsträuchern. Eine andere Boskette namens „Toleranz“ bereitet floristisch die Ringparabel Lessings auf, die Kurfürstin setzte sich für die Religionsfreiheit ihrer Untertanen ein. Die „Traumlandschaft in Gartenzimmern“ greift halb-fiktive Bilder wie „Eifer“, „Lust“ und „Entspannung“ aus dem Gemütsleben von Louise Henriette auf, die mit Blumen, Gehölzen und Kunstobjekten gegenständlich werden. Die 15 jeweils 900 Quadratmeter großen Parzellen bilden den Neuen Park, der mit Gräben, Spalierbäumen und Rasenflächen an die Lieblichkeit holländischer Polderlandschaft erinnern soll.

Neuer Hafen für Oranienburg

Der holländische Seehandel nach Übersee ist das tragende Thema im Hafen, der mit einer besonderen Attraktion für die Gartenschaubesucher aufwartet, dem Nachbau einer holländischen Staatsyacht aus dem 17. Jahrhundert. Einige der Open-Air-Veranstaltungen und Themenwochen rund um exotische Handelswaren finden rings der Hafenkaimauer statt. Nach der Gartenschau entsteht hier eine Wasserwanderstation. Die insgesamt vierzehn Hallenschauen wechseln zweiwöchentlich in der Blumenhalle am Hafen und greifen die Themen der Gartenzimmer im Neuen Park auf. So werden unter dem Motiv „Liebe“ natürlich Rosen gezeigt, „Illusion“ bringt japanische Gartenkunst und „Luxus“ Orchideen und Porzellan auf die Gartenschau. Das Gesamtgelände ist mit 300.000 Blumenzwiebeln und 300 neuen Bäumen bepflanzt worden. Große Beetflächen werden gemäß der Jahreszeit mit entsprechendem Wechselflor bestückt sein. Auch der Kulturkalender ist prall gefüllt mit Piratenspektakel, barockem Gartentheater, Kindermusical und vielem mehr. Mit verschiedenen Themenwochen werden regionale und exotische Produkte aus Gärten und Plantagen vorgestellt.

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