Ludwigslust: Versailles des Nordens

Geschrieben von Katja Mollenhauer

 

Die Stadt Ludwigslust ist für ihre Stadtarchitektur berühmt. Die wahren Schätze verbergen sich hinter Fassaden: Gemälde mit Löchern und geheimnisvolles Pappmaché.

Der erste Eindruck von der Stadt Ludwigslust ist das sehr norddeutsche Aussehen mit seinen gepflegten roten Backsteinhäusern. Alles wirkt sehr adrett und aufgeräumt. Dem Landkreis und seiner Kreisstadt Ludwigslust geht es wirtschaftlich gut, denn durch die gute Anbindung an die Autobahn A 24 Hamburg Berlin und wegen sinnvollen Fördermitteleinsatzes siedelten sich zahlreiche Firmen aus der Elektro- und Nahrungsmittelindustrie in der Region an. Auch Betriebe aus der Technologie- und Kommunikationsbranche sind heute präsent.

Das führte dazu, dass immer mehr Familien nach Ludwigslust ziehen. Laut Statistik gibt es mehr Neuzugänge als Abwanderer. Der Ludwigsluster Bürgermeister Hans-Jürgen Zimmermann wundert sich darüber nicht, schließlich biete die Stadt als Zentrum der Region auch ein vielfältiges kulturelles Angebot.

Dieses kulturelle Angebot hat viel mit dem größten Schatz von Ludwigslust zu tun: dem Schloss von Großherzog Christian Ludwig II. Fast alle Sehenswürdigkeiten der Stadt, die wegen ihrer geplanten Anlage gerade für Architekten und Stadtplaner interessant ist, haben einen Bezug zum Schloss. Ob der wunderschöne Schlosspark, das interessante Kutschenmuseum oder die Schauwerkstatt in der Alten Wache. Die Bedeutung des Schlosses beruht auf einer simplen historischen Tatsache: Das heutige Ludwigslust fand erst mit dem Bau des Jagdschlosses 1724 seinen Anfang.

Dem Schlossherren zu Ehren erhielt der damalige Ort Klenow 1754 seinen neuen Namen Ludwigs Lust. Nach dem Tod von Großherzog Christian Ludwig II. kam Herzog Friedrich von ­Mecklenburg an die Macht, der das Jagdschloss zu klein fand, das heutige Residenzschloss bauen ließ und mit seinem ganzen Hof von Schwerin nach Ludwigs Lust zog damals schrieb man den Namen noch auseinander. Das frühere Jagdschloss ließ der Herzog abtragen. Das war auch das einzige, was er verschwinden ließ, ansonsten hatte er eher Expansionspläne. Er ließ unter anderem einen 28 Kilometer langen Kanal bauen, Wohnhäuser für die Bediensteten, zahlreiche Straßen und eine Stadtkirche errichten.

Durchlöcherter Weltrekord

Die Stadtkirche ist immer einen Besuch wert, denn in dem ungewöhnlichen tempelartigen Bau finden sich einige Kuriositäten. Wer hätte beispielsweise vermutet, dass die gediegenen Samtvorhänge und die sechs vergoldeten Leuchter aus Pappmaché gefertigt sind? Das gigantische Altargemälde ist nicht nur das größte Europas, sondern wahrscheinlich sogar der Welt. Über tausend Täfelchen mit 60 Zentimeter Kantenlänge wurden dafür mit Leinwand bespannt und Pappmaché überzogen. 

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