Neubrandenburg: Diese Stadt hat ein Theater

Geschrieben von Magdalena Taube
Das Schauspielhaus Neubrandenburg  Foto: Magdalena Taube
Foto: Magdalena Taube

Seen, Wälder, Ostseeküste – dafür ist Mecklenburg-Vorpommern bekannt. Die „Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz“ sorgt dafür, dass auch Kulturhighlights der Grund für eine Reise sein können.

Ein Spätsommertag in Neubrandenburg: Vor einem alten Fachwerkbau drängen sich viele Menschen. An der Seite des Hauses hängt ein Banner, das verrät, dass es sich um das Schauspielhaus handelt. Die Sonne strahlt. Erwachsene unterhalten sich bei einem Kaffee, Kinder flitzen durch die Gegend. Es wird gelacht. Musik ertönt. Plötzlich ein wenig Hektik: Es geht los, Theater und Orchester stellen auf der Bühne ihr Programm für die neue Spielzeit vor. Die Leute drängen in den Saal. Die Bühne ist gestaltet wie das Innere eines Flugzeugs, die Dramaturgen sind die Piloten, die an diesem Nachmittag durch das Programm führen. Die Atmosphäre ist heimelig, ja schon fast familiär. Das Ensemble stellt sich nach und nach vor. Es gibt Songs und klassische Lieder, ein paar Gags und Witze und schnell ist klar: Die Ensemblemitglieder kommen zwar aus allen Teilen Deutschlands, ja sogar aus Großbritannien, aber sie fühlen sich sehr wohl an diesem Ort im südlichen Mecklenburg-Vorpommern.

Kein Wunder, dass es den Schauspielern und Musikern hier so gut gefällt, denn sowohl die Landschaft als auch die Stadt sind wunderschön. Der Tollensesee reicht fast bis ins Zentrum von Neubrandenburg, das von einer vollständigen Stadtmauer umgeben ist. Die vier Stadttore, sind das Markenzeichen der kreisfreien Stadt, die sich 130 Kilometer nördlich von Berlin befi ndet. Dafür, dass hier nicht nur die Oberfläche glitzert, sondern die Stadt auch kulturell mit Leben erfüllt ist, sorgt die Theater und Orchester GmbH. Im Zusammenschluss mit der Nachbarstadt Neustrelitz bespielt sie gleich mehrere Stätten: das Landestheater, das Schauspielhaus, die Konzertkirche, den Neustrelitzer Marstall und den Schlossgarten. Über die Jahre ist hier ein Kulturzentrum entstanden, das über die Region hinaus Aufmerksamkeit erregt.

Hinter dem Erfolgsrezept stehen Intendant Ralf-Peter Schulze und sein Team. Jahr für Jahr stellen sie ein Programm zusammen, das den Vergleich mit großen Bühnen nicht scheuen muss. Schulze legt großen Wert darauf, dass hier „Aufführungen von hoher Qualität realisiert werden, um den Beweis anzutreten, dass sich künstlerischer Anspruch und Publikumsinteresse nicht voneinander entfernen müssen.“ Der Erfolg gibt ihm Recht. In der letzten Spielzeit konnte ein Rekord von 137.000 Besuchern verbucht werden, verteilt auf die einzelnen Spielstätten.

Das Neubrandenburger Schauspielhaus ist ein großer Fachwerkbau und eines der ältesten Gebäude der Stadt. Bereits 1787 wird es erstmals erwähnt – was die historische Bühne zum ältesten erhaltenen Theatergebäude Mecklenburg-Vorpommerns macht. Der Spielplan weist eine große Bandbreite auf. So werden neben Klassikern wie „Der Sturm“ von William Shakespeare auch Komödien von Molière auf die Bühne gebracht. Für die Musik sind Chefdirigent Stefan Malzew und die Neubrandenburger Philharmoniker zuständig. In der 2001 wiedereröffneten Marienkirche – heute Konzertkirche – geben sie regelmäßig Konzerte und sorgen für einen regelrechten Klassik-Boom in der Region. Ein jährliches Highlight sind zudem die Konzertnächte.

In der kleinen Nachbarstadt Neustrelitz grüßt am Bahnhof ein schwarzes Schild: „Diese Stadt hat ein Theater“ – so wird auch der letzte ungläubige Besucher überzeugt. Die Kulturstadt ist das Tor zum Müritz-Nationalpark. Im Herzen der Stadt befi ndet sich das Landestheater. In dem prächtigen Bau aus dem 18. Jahrhundert haben 400 Besucher Platz. Hier gibt es neben Theateraufführungen auch regelmäßig Konzerte der Neubrandenburger Philharmonie zu hören. Seit dem Sommer 2001 finden hier zudem die Schlossgartenfestspiele Neustrelitz statt. In diesem Sommer kann man bei den Festspielen ein bisschen „Berliner Luft“ schnuppern, wenn Paul Linckes Frau Luna auf die Bühne kommt.

Der ideale Sommertag endet mit einem Spaziergang durch das nächtliche Neustrelitz. Die letzten Töne des philharmonischen Konzerts hallen noch nach. Sieht man am Bahnhof wieder das Schild, weiß man: Diese Stadt hat mehr als ein Theater.

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