Einmal rund um Rügen

Geschrieben von Seenland

Ohne Wind macht Segeln keinen Spaß - wenn aber alle Elemente der Crew wohlgesonnen sind, wartet ein unvergessliches Erlebnis.

An Bord eines Segelbootes die grösste deutsche Insel umrunden.

Segeln bedeutet Wettbewerb mit den Elementen und gegen die Seekrankheit. Das eine gelang uns gut, das andere weniger. Eine Woche lang segelten wir auf der Ostsee und lernten das Wasser in vielen Facetten kennen.

Auftakt in Greifswald



Zusammen mit einem erfahrenen Skipper stehen fünf Leichtmatrosen bereit, auf einen Sommertörn zu gehen. Schon beim Be-laden kommen von den Nachbarbooten die ersten süffi santen Bemerkungen ob der vielen Wagen mit Gepäck und Proviant. Und als ein Crewmitglied sein geliebtes Kofferradio mitnehmen möchte, entbrennt fast die erste Meuterei über die Unnötigkeit moderner Unterhaltungskultur beim Wettbewerb mit den Elementen, noch bevor wir auch nur eine Meile gesegelt sind. Kofferradio und Besitzer werden letztendlich an Bord gelassen, und wir legen mit deutlichem Tiefgang vom Steg der Marina am Ryck ab. Fröhliche Tage auf See stehen bevor.

Unter Motor navigieren wir auf der Ryck bis zur Dänischen Wieck, setzen Segel und fahren bei lichtem Wind in den Strelasund. Schon auf den ersten Meilen entpuppt sich unser Kofferradiofreund als versierter Segler. Etliche Runden auf den Berliner Gewässern scheinen den Lerneffekt nicht verfehlt zu haben. So wird der Segeltrimm zu seinen Hauptaufgaben für die nächsten Tage. Auch das Wetter meint es gut mit uns – nur ab und zu bricht leichter Sprühregen über uns herein. Ansonsten wärmen uns die Strahlen der Sonne.

Zwischenstopp am Hafen in Barhöft

54° 26,1' N – 13° 02,0' E zeigt das Navigationsgerät, als wir im Hafen von Barhöft ankommen. Der Hafenmeister weist uns einen freien Liegeplatz zu, und so können wir unser Abendbrot an Land einnehmen. Da der Hafen am Rand des Nationalparks Vorpommersche Boddenlanschaft liegt, gibt es auch eine entsprechende Infrastruktur, die das Grillen in vorgesehenen Feuerschalen erlaubt. Briketts haben wir vorsorglich mitgebracht, und so kann das Grillvergnügen seinen Lauf nehmen. Schnell fi nden sich hungrige Radler ein, die wir kurzerhand in unsere Runde einladen. Ein schöner Abend unter dem Sternenzelt.

Schöne Tage auf Hiddensee

Bei achterlichem Wind hat die Crew nichts zu tun und kann den Ausflug genießen.

Von Barhöft aus geht es vorbei an der Insel mit Namen Bock, die durch künstliche Aufspülung des Sandes aus der Fahrrinne nach Stralsund, dem Gellenstrom, entstand. Von Mitte April bis Ende Oktober ist die unbewohnte Insel als Naturschutzgebiet gesperrt. Der Name leitet sich von der früheren Sandbank ab, auf der etliche Schiffe aufliefen und somit unfreiwillig aufbockten.

Wir umschiffen die Insel gekonnt und segeln bei perfektem Halbwind entlang von Hiddensee. Ein wunderschöner Sommertag: Zu unserer Linken die offene See, rechts Hiddensee mit seinem langen Sandstrand und über uns nur der blaue Himmel. Das Kofferradio wird kurzerhand an Deck gehievt, und aus den aufgedrehten Lautsprechern sprudeln die Beach Boys gute Laune. Fast könnte man übermutig werden und sich vor Glück in die warme See stürzen. Doch wir bleiben lieber an Deck und umrunden den Dornbusch.

Am späten Nachmittag nähern wir uns dem Hafen des kleinen Örtchens Kloster, doch dieser ist schon restlos belegt. So fahren wir weiter bis nach Vitte Langeort, doch auch dort scheinen schon alle Liegeplätze besetzt zu sein. Wir manövrieren solange durch den Hafen, bis schließlich der Hafenmeister auf uns aufmerk-

sam wird und einen provisorischen Liegeplatz für uns vorbereitet, im 45-Grad-Winkel zum Endpoller eines Steges. Beim zweiten Anlauf gelangen wir in die korrekte Position, und hilfreiche Seglerkollegen unterstützen uns beim Vertäuen des Bootes. Der Hafen verfügt über gute Sanitäreinrichtungen und einen kleinen Kiosk. In den Hauptort der Insel sind es nur wenige Schritte.

Die Sterne funkeln am Abend so verlockend vom Himmel, dass wir uns auf die Wanderung zum Leuchtturm am Dornbusch einlassen. Ausgerüstet mit einer Taschenlampe steigen wir zum Leuchtturm empor. Die malerische Stimmung auf dem Dornbusch entschädigt für den kleinen Aufstieg. Den Abend verleben wir in fröhlicher Runde im Gasthaus zum Godewind. Hier hat sich unsere restliche Crew zusammengefunden. Mit gutem Essen und Sanddornsaft lassen wir diesen schönen Tag ausklingen.

Am nächsten Morgen lautet der einstimmige Beschluss, den Aufenthalt auf Hiddensee um einen Badetag zu verlängern. Also geht es auf zum Sandstrand. Abends klönen wir an Bord und gehen recht früh zu Bett, um am nächsten Morgen unsere Überfahrt nach Dänemark zu starten.

Lesen Sie weiter in der Ausgabe Seenland Ostsee 2008