Mirow: Adelige Historie

Geschrieben von Gesche Westphal

Der Schlossgarten in Mirow lädt zum Verweilen ein.

Mirow gilt als „Ort des Friedens“ und strahlt diese Ruhe bis heute aus. Der Ort pflegt seine Geschichte, die ihn mit den USA und Großbritannien verbindet.

Mirow und die USA? Ja, da gibt es eine Verbindung. Denn die berühmteste Tochter der mecklenburgischen Kleinstadt ist Königin Charlotte von England, oder Sophie Charlotte von Mecklenburg Strelitz. Charlotte heiratete Georg III., Kurfürst von Hannover und König von England, der 1783 die Unabhängigkeit der amerikanischen Kolonien anerkannte. Wer mit dem Boot auf der Müritz unterwegs ist, sollte daher die Gelegenheit ergreifen, einen Abstecher nach Mirow zu machen.

Auf der barocken Schlossinsel können Sie sich fürstliche Luft um die Nase wehen lassen und auf historische Spuren der einstigen englischen Königin und ihrer Familie stoßen. „Mad King George“ ist in England bis heute legendär – vor allem, weil er mit Bäumen geredet haben soll. Sein Irrsinn ist neuen Erkenntnissen zufolge wahrscheinlich auf die damals beliebten Kräftigungstinkturen zurückzuführen, die nur allzu oft eine gehörige Dosis Arsen enthielten.

Seine Gemahlin Charlotte war beliebt, nicht zuletzt deshalb, weil sie ihrem Gatten fünfzehn Kinder gebar. Noch heute tragen sieben Städte oder Gemeinden in den USA ihren Namen, darunter die 1762 von englischen Auswanderern gegründete Stadt Charlotte in North Carolina. Seit den 90er Jahren besteht eine Partnerschaft zwischen Mecklenburg und Mecklenburg County, dessen Verwaltungssitz die Stadt Charlotte ist.

Herrlicher Blick auf Mirow

Die Kleinstadt Mirow liegt am Südende des Mirower Sees, der durch eine Schleuse mit der Müritz verbunden ist. „Villa Mirowe“, wie der Ort in der ersten urkundlichen Erwähnung 1227 genannt wird, bedeutet „Ort des Friedens“. Eine treffende Bezeichnung – genau das strahlt die Schlossinsel mit ihren alten Bäumen, den historischen Gebäuden und dem wunderschönen Blick auf den See auch heute noch aus.

Der älteste Bau Mirows, die gotische Johanniterkirche, beherbergt eine Fürstengruft, in der seit 1708 Herzöge und Großherzöge in ihren Prunksärgen bestattet sind. Die Kirche aus dem 14. Jahrhundert steht nicht nur für die Geschichte des Ortes, sondern auch als Zeugnis für die Solidarität und die Beharrlichkeit der Mirower Bürger. Denn nachdem das Gotteshaus 1945 abbrannte, konnte sie nach nur fünf Jahren Bauzeit mit Unterstützung der Mirower wieder geweiht werden; der symbolische Verkauf einzelner Treppenstufen durch den Kirchturmverein e.V. ermöglichte den Bau des Turmes mit einer Aussichtsplattform, die seit 1993 einen herrlichen Blick auf Mirow und Umgebung bietet. Das große Kruzifix, das im Innenraum der Kirche hinter dem Altar steht, ist aus einer alten Linde geschnitzt, die auf der Insel wuchs.

Gleich hinter der Kirche befindet sich das weiße Torhaus, das 1588 zusammen mit einem Wallgraben zur besseren Verteidigung der Insel gebaut wurde und dessen Durchgang die Verbindung zur Stadt selber ermöglicht. Weiterhin können Sie auf der Insel das Schloss, 1707 bis 1712 erbaut, mitsamt Kavalierhaus und Remise besichtigen. In späteren Jahren beherbergte das Schloss ein Landeslehrerseminar, bis 1979 gar ein Seniorenheim. Ein reizender kleiner Schlossgarten lädt bei gutem Wetter zum Verweilen ein.

Über eine Brücke gelangen Sie zur Liebesinsel, die 1918 auf Wunsch des Großherzogs Adolf Friedrich VI. nach seinem Freitod zu seiner letzten Ruhestätte umgestaltet wurde. Sein Steinsarg und ein Denkmal – eine Schlange, die sich um eine Säule windet – erinnern nicht nur an den letzten regierenden Großherzog zu Mecklenburg Strelitz, sondern auch an eine ganze längst vergangene Ära, mitsamt Glanz und Gloria. Halten Sie daher hier einen Moment inne unter grünem Blätterdach und genießen Sie den weiten Seeblick an diesem Ort des Friedens.

Lesen Sie weiter in der Ausgabe Seenland 2006