Neuruppin: Ein Ausflug in den Orient

Geschrieben von Ina Gorzolka

 

Heute erstrahlt der Tempelgarten wieder in seinem Glanz von 1794.

In Neuruppin wurde 1794 ein Tempelgarten angelegt. Seine wechselvolle Geschichte macht ihn für Garten- und Orientliebhaber gleichermaßen interessant.

Wer den Tempelgarten in Neuruppin durch das Haupttor betritt, fühlt sich binnen Sekunden in den Orient versetzt. Zur Rechten befindet sich das imposante Gartenhaus mit dem hoch aufragenden Minarett. Zur Linken steht die Türkische Ville, das Café Tempelgarten, in dem neben deftigen Mahlzeiten auch Kaffee und Kuchen angeboten werden. Beim Spaziergang durch die imposante Gartenanlage sorgen die unzähligen Blumen, die auf geometrischen Rondellen und Ovalen gepflanzt sind, für ein harmonisches Bild. Sandsteinfiguren runden den Anblick ab.

So stehen am Beginn des Mittelweges Flora und Bacchus, unterhalb des Apollotempels begrüßt eine ganze Familiengruppe mit Eltern und Kindern die Besucher und erzählt die Geschichte des Tempelgartens, die knapp 300 Jahre zurückreicht: Im Mittelalter war Neuruppin an drei Seiten von einer Stadtmauer mit prächtigen Wallanlagen umgeben, die mit Eichen bepflanzt wurden. 250 Jahre später, im Jahr 1728, befahl der Soldatenkönig, die Eichen abholzen zu lassen und stattdessen Bürgergärten zu errichten. Doch als sein Sohn Kronprinz Friedrich 1732 Regimentskommandeur von Neuruppin wurde, beendete er die Abholzungen und erwarb eine Fläche an der Stadtmauer, die er fortan als Garten nutzte. Dieser wurde schon bald sein Lieblingsort, wohin er sich ungestört zurückziehen konnte. 1735 beauftragte er seinen Freund Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, aus dem Garten einen Tempel zu gestaltet. Dieser holte sich Rat beim damaligen Hofmaler Antoine Pesne. Die Spuren des Gemeinschaftswerkes sind noch heute deutlich spürbar.

Mit dem Amtsantritt von Kronprinz Friedrich im Jahr 1740 als König von Preußen fiel der Garten an die Stadt zurück, bis er 1803 von Oberst von Tschammer gekauft wurde. Der verpachtete ihn an eine Casinogesellschaft, die dort eine Schenkstube und eine Kegelbahn errichteten. Erst als 1853 Johann Christian Gentze und dessen Sohn Alexander den Garten kauften, erlangte er langsam seinen alten Glanz zurück. Die beiden hatten es sich zur Aufgabe gemacht, ihn in Erinnerung an Kronprinz Friedrich wieder herzurichten und gleichzeitig der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie engagierten den Architekten von Diebitsch, um eine Villa, ein Gartenhaus und einen Garten im orientalischen Stil zu gestalten. Von Diebitsch, ein ausgeprägter Orientliebhaber, holte sich Hilfe beim Gartenarchitekten Gustav Meyer. Beide gestalteten den Tempelgarten liebevoll mit einheimischen sowie zahlreichen exotischen Pflanzen und schufen die noch heute vorhandenen Sandsteinskulpturen.

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