Rheinsberg: Zwischen den Krügen

Geschrieben von Barbara Pietzschmann

Wie ein irdenes Gefäß entsteht, erleben die Besucher live vor Ort. Foto: Barbara Pietzschmann

Foto: Barbara Pietzschmann

Der Rheinsberger Töpfermarkt bietet für Handwerker, Fachkundige und Familien das richtige Ambiente, sich in traditionsreicher Umgebung mit Keramik zu beschäftigen.

Dass Rheinsberg seit dem Wirken der Preußischen Prinzen im Schloss einem Musentempel für Musik, Theater und Literatur gleicht, ist allgemein bekannt. Aber der heutige Erholungsort im Norden Berlins wird auch die Stadt der Keramik genannt. Die Tradition geht auf Friedrich den Großen zurück, denn bereits 1762 begann in Rheinsberg die Keramikfertigung. Aus den Jahren des Anfangs haben sich beliebte Formen und Dekore bis in die Gegenwart erhalten. Zu DDR-Zeiten veranstaltete der Fe­riendienst für Urlauber einen wöchentlichen Pottmarkt. Die typischen Teekannen und das Geschirr mit den unverwechselbaren Farben waren stets begehrt.

2012 findet der Markt zum achtzehnten Mal statt rund 25.000 Besucher kommen jedes Jahr im Oktober zum Schauen, Staunen und natürlich Kaufen. Etwa 70 Aussteller jährlich machen den Rheinsberger Töpfermarkt zu einem der größten und begehrtesten in Deutschland. Das historische Ambiente der Prinzenstadt zwischen Triangelplatz, Schlossstraße und dem Kirchplatz vor St. Laurentius­, die große Auswahl an Gebrauchsgeschirr, tönernem Schmuck, Tierskulpturen oder Einzelkunstwerken für Wohnung, Haus und Garten sowie die Sachkundigkeit machen den Töpfer­markt zu etwas Besonderem für Veranstalter und Besucher. Einige nehmen zielstrebig die Suche nach ihrem Töpfer vom Vorjahr auf, um die Sammlung zu ergänzen, um Weihnachtsgeschenke zu erstehen oder weil man mit den Leuten so nett über ihre Waren reden kann. Es ist gute Tradition, zwischen dem Befühlen der Stücke einen Plausch zur speziellen Herstellungsart oder zur Farbe oder der Dekoraufbringung mit den Kunsthandwerkern zu führen.

Unter dem Motto Ton & Töne gibt es unterschiedliche musikalische Veranstaltungen im Schlosstheater oder Konzerte in der Pfarrkirche St. Laurentius. Auch Kirchenführungen mit Musik rund um die Scholtze-Orgel von 1767 und die moderne Nußbücker-Orgel aus dem Jahre 1994 werden angeboten. Die Keramikgalerien der ansässigen Künstler Henrik Schink, Karl Fulle und Roland Weidt erwarten Besucher genauso wie die beiden Manufakturbetriebe Carsten Keramik und Rheinsberger Keramikhandel Dornbusch.

Dann gibt es noch eine ganz und gar erschreckliche Sache zu bestaunen: Um die Mittagszeit erscheint an beiden Tagen König Drosselbart hoch zu Ross aus dem Grimmschen Märchen und zertöppert zornentbrannt viel tönernes Geschirr. Das ist besonders eine Attraktion für die Kinder, die besorgten Erwachsenen wird trösten, dass nur Fehlbrände am Stand der hochmütigen Prinzessin in Scherben geschlagen werden. Angesichts des Scherbenhaufens achten die Besucher noch mehr darauf, die wertvollen Stücke der Keramikkünstler behutsam zu begutachten, wohl wissend, wie viel Ideenreichtum, handwerkliches Geschick und Kunstverstand in einem einzigen Becher stecken.

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